Jaime Mayor Oreja: Ein harter Mann für das Baskenland

10. Mai 2001, 13:20
posten
Der Christdemokrat Jaime Mayor Oreja (50), bis vor kurzem spanischer Innenminister und populärster Politiker im Kabinett von José María Aznar, tritt bei den Regionalwahlen im Baskenland am kommenden Sonntag als Spitzenkandidat der Volkspartei an. Sein Ziel ist es, "Lehendakari" zu werden, Chef der autonomen Provinz. Baskische Nationalisten aller Schattierungen schäumen, denn bisher hat diese Position immer einer der Ihren gehalten.

Die perverse Logik des Terrors bewirkt jedoch, dass Mayor Orejas Slogan "Ahora es posible" ("Jetzt ist es möglich") wahr werden könnte: Seit am 6. Mai neuerlich ein konservativer Politiker vermutlich von der Eta umgebracht wurde, wird im Baskenland ein Schwenk zur Volkspartei und zur nun mit ihr kooperierenden sozialdemokratischen PSOE erwartet.

Von Journalisten gefragt, warum er, der gute Chancen hätte, 2004 Aznar als Regierungschef nachzufolgen, sich den gefährlichen Job im Baskenland antue, sagte der weiß- bärtige Mayor Oreja: "Weil ich es tun musste." Da er schon 1995 bei den Regionalwahlen angetreten und danach in der baskischen Problematik die "Speerspitze" seiner Partei gewesen sei, habe man das von ihm erwartet. Seine Frau Isabel und die vier Kinder hätten diese Entscheidung akzeptiert, sagt der Politiker, der auf den Todeslisten der Eta ganz oben steht.

In die Politik gebracht hatte den 1951 im baskischen San Sebastián geborenen glaubensfesten Katholiken, der zunächst Agraringenieur wurde, ein Onkel: Marcelino Oreja, erster Außenminister nach der Franco-Ära und später EU-Kommissar. Der Neffe saß bereits mit 29 im baskischen Parlament, erst für die UCD (Union des Demokratischen Zentrums), dann für die ihr nachfolgende Volkspartei, bis ihn Aznar 1996 in die spanische Regierung holte. Als Innenminister galt er als hart, 250 "Etarras" wurden in seiner Amtszeit verhaftet.

Als die Eta 1998 einen Waffenstillstand ausrief, bezeichnete er den angebotenen Dialog als Falle. Aznar willigte dennoch in Gespräche ein, ohne den Extremnationalisten, die einen eigenen Staat Euskadi fordern, substanziell nachzugeben. Im Dezember 1999 begann die Eta erneut zu morden, Mayor Oreja wurde von ihren Anhängern als "Verräter" und "Saboteur" des Dialogs gebrandmarkt.

Nach den Attentaten kündigte die gewaltfreie baskische Volkspartei (PNV) ihre Zusammenarbeit mit dem politischen Arm der Eta, Euskal Herritarrok, auf und setzte vorzeitige Neuwahlen an.

Skeptiker fürchten, dass ein Sieg Mayor Orejas den Riss im Baskenland noch vergrößern könnte: Der Hardliner setzt auf Polizeimethoden und lehnt "Dialog unter dem Druck des Terrors" weiterhin ab. Er will das Baskenland vom Einfluss der Nationalisten, auch der gemäßigten, "befreien". (DER STANDARD, Print, 10.5.2001)

Erhard Stackl
Share if you care.