Montezemolo auf Berlusconis Liste

9. Mai 2001, 17:34
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Oppositionsführer will Ferrari-Chef in seiner Regierungsmannschaft

Besser kann man eine Show nicht inszenieren: Mitten in einer Diskussionssendung im Hauptabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der RAI ließ Oppositionschef Silvio Berlusconi einen großen Massivholzschreibtisch ins Studio fahren, ehrfürchtig setzte er sich dahinter und unterschrieb im Beisein eines Notars voller Pathos auf Stempelpapier einen "Offiziellen Vertrag mit den Italienern": Sollte er in den fünf Regierungsjahren nicht vier Fünftel seines Programms umsetzen, werde er nie wieder kandidieren.

Und dann die Ankündigung seiner Regierungsmannschaft: Auch Ferrari- Chef Luca Cordero di Montezemolo wolle er in seine Regierungsmannschaft aufnehmen, "vielleicht als Sport- oder als Außenhandelsminister". Er habe zwar Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi versprochen, die Ministerliste noch nicht zu veröffentlichen, schließlich obliege es ja Ciampi offiziell die Minister zu bestätigen, aber einige kleine Vorankündigungen wolle er doch machen.

Die große Überraschung blieb - mit Ausnahme von Montezemolo - aus. Sein engster Vertrauter Giulio Tremonti könnte ein Superwirtschaftsministerium führen, der frühere IBM-Europa- Chef Lucio Stanca werde sich um die Informatisierung des Landes kümmern, die Parteichefs Gianfranco Fini und Pierferdinando Casini würden ihm wohl als Vizepremier zur Seite stehen. Als einzige Frau nannte Berlusconi die frühere RAI-Präsidentin Letizia Moratti. Ex- Außenminister Antonio Martino soll wieder das Auslandsressort führen. Als Innenminister kommt Franco Frattini, der Kandidat von Forza Italia in Südtirol, in Frage.

Eines sei jedenfalls klar, den Politikern würden erfahrene Fachleute zur Seite gestellt, die Anzahl der Ministerien würde von derzeit 25 auf zwölf gesenkt. Berlusconis Ankündigungsprogramm sei eine Farce, konterte Francesco Rutelli, "wenn diese seine Truppe auch nur annähernd so viel umsetzen will, wie er beständig verspricht, dann sind wir in einer halben Stunde draußen aus Europa". Hunderttausende Milliarden an Investitionen, ein Bauprogramm, das nie und nimmer durchführbar sei, Steuersenkungen von zehn Prozent - und keine Antwort auf die Frage, wer das bezahlen soll.

Nach Angaben der römischen Tageszeitung La Repubblica weiß Montezemolo nichts von seiner politischen Karriere. "Ich habe davon in den Medien erfahren", erklärte er. Verkehrsminister Pierluigi Bersani vom Mitte- links-Bündnis rät Montezemolo ab. "Mit Ferrari wird er mehr Freuden erleben als mit Berlusconi." (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2001)

Standard-Korrespondent Andreas Feichter aus Rom
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