Neues Gesetz ab 1. Juli: "Gemeinsame Obsorge"

9. Mai 2001, 14:38
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Grazer Kinderbüro präsentierte Broschüre "Gemeinsame Obsorge - ein Leitfaden"

Graz - Geschiedene Eltern haben ab dem 1. Juli automatisch das Recht der so genannten Gemeinsamen Obsorge. Damit kann jeder Elternteil auch nach der Scheidung über Maßnahmen der Pflege und Erziehung entscheiden und das Kind gesetzlich vertreten bzw. sein Vermögen verwalten. Auf Fragen, die sich den Eltern mit dem zu Grunde liegenden Kindschaftsänderungsgesetz voraussichtlich aufdrängen werden, gibt die Broschüre "Gemeinsame Obsorge - ein Leitfaden" Auskunft. Sie wurde vom Grazer Kinderbüro in Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft herausgegeben.

Beide Eltern behalten die Obsorge

In wenigen Wochen werden beide Elternteile nach einer Scheidung - wenn sie nicht anderes beantragen - weiter die Obsorge für ihre minderjährigen Kinder haben. Ab dem 1. Juli wird bei Gericht dann nur noch vereinbart, bei welchem Elternteil sich das Kind in Zukunft hauptsächlich aufhalten soll, den anderen Elternteil trifft die Verpflichtung zur Zahlung des Unterhaltes und das Recht der weiteren gemeinsamen Obsorge.

Spricht sich ein Elternteil dezidiert gegen die gemeinsamen Entscheidungen über Pflege und Erziehung des Kindes aus, muss das Gericht entscheiden, wer die Obsorge bekommt. Sollte das Gericht aber bei Uneinigkeit der Eltern nur einem Elternteil die Obsorge zusprechen, stehen dem Nicht-Obsorgeberechtigten neue Besuchs- und Informationsregelungen zur Verfügung. "Bei Scheidungen, die vor dem 1. Juli 2001 rechtskräftig geworden sind, kann die Obsorge beider Elternteile nur dann nachträglich begründet werden, wenn sich beide Eltern einig sind und an das Pflegschaftsgericht wenden", so Alexandra Pichler vom Kinderbüro Graz. Gerade zu dieser Frage habe sie in den letzten Wochen immer wieder Anrufe von beunruhigten Frauen bekommen.

Pädagogischer Ratgeber für die Kinderbetreuung

Trennung und Scheidung sind Erfahrungen, die Kinder sehr beschäftigen und belasten. "Diese Broschüre soll Eltern informieren, welche Änderungen das neue Gesetz bringt, aber vor allem auch Hilfe bieten, wann die Trennungszeit zu einem belastenden Ereignis für die Kinder wird und wie Konfliktsituationen entschärft werden können", sagte die Leiterin des Kinderbüros.

Grundlegende Informationen bietet die Broschüre darüber, was unter Gemeinsamer Obsorge zu verstehen ist und welche Änderungen es im Vergleich zu vorher geben wird. Ergänzt wird die Information mit einer Checkliste, anhand welcher Eltern prüfen können, ob ihr bisheriges Verhalten im Zuge der Scheidung aus pädagogischer Sicht für das Kind günstig ist und dem Kind eine möglichst konfliktfreie Trennungszeit ermöglicht.

Zusätzlich wird das Modell der Mediation vorgestellt und eine Liste mit Zusammenstellung von Beratungsstellen bei Trennungs- und Scheidungsfragen angeführt. "Wir bedauern allerdings, dass die Mediation als zusätzliches Instrument der Konfliktlösung auch im neuen Gesetz verpflichtend vorgeschrieben wird", so Pichler.

("Gemeinsame Obsorge - Ein Leitfaden", Kostenlos beziehbar über die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark (Tel.. 0316/ 17 08) und dem Kinderbüro Graz (0316/ 83 36 66). 28 Seiten, broschürt.) (APA)

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