Graz: Leitfaden für "Gemeinsame Obsorge von Kindern" präsentiert

9. Mai 2001, 12:57
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Gesetzliche Neuerungen ab dem 1. Juli - Zahlreiche Anrufe von besorgten Frauen

Graz - Geschiedene Eltern haben ab dem 1. Juli automatisch das Recht der so genannten Gemeinsamen Obsorge. Damit kann jeder Elternteil auch nach der Scheidung über Maßnahmen der Pflege und Erziehung entscheiden und das Kind gesetzlich vertreten bzw. sein Vermögen verwalten. Auf Fragen, die sich den Eltern mit dem zu Grunde liegenden Kindschaftsänderungsgesetz voraussichtlich aufdrängen werden, gibt die Broschüre "Gemeinsame Obsorge - ein Leitfaden" Auskunft. Sie wurde vom Grazer Kinderbüro in Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft herausgegeben.

In wenigen Wochen werden beide Elternteile nach einer Scheidung - wenn sie nicht anderes beantragen - weiter die Obsorge für ihre minderjährigen Kinder haben. Ab dem 1. Juli wird bei Gericht dann nur noch vereinbart, bei welchem Elternteil sich das Kind in Zukunft hauptsächlich aufhalten soll, den anderen Elternteil trifft die Verpflichtung zur Zahlung des Unterhaltes und das Recht der weiteren gemeinsamen Obsorge.

Zahlreiche Anrufe von besorgten Frauen

Spricht sich ein Elternteil dezidiert gegen die gemeinsamen Entscheidungen über Pflege und Erziehung des Kindes aus, muss das Gericht entscheiden, wer die Obsorge bekommt. Sollte das Gericht aber bei Uneinigkeit der Eltern nur einem Elternteil die Obsorge zusprechen, stehen dem Nicht-Obsorgeberechtigten neue Besuchs- und Informationsregelungen zur Verfügung. "Bei Scheidungen, die vor dem 1. Juli 2001 rechtskräftig geworden sind, kann die Obsorge beider Elternteile nur dann nachträglich begründet werden, wenn sich beide Eltern einig sind und an das Pflegschaftsgericht wenden", so Alexandra Pichler vom Kinderbüro Graz. Gerade zu dieser Frage habe sie in den letzten Wochen immer wieder Anrufe von beunruhigten Frauen bekommen.

Zusätzlich wird das Modell der Mediation vorgestellt und eine Liste mit Zusammenstellung von Beratungsstellen bei Trennungs- und Scheidungsfragen angeführt. "Wir bedauern allerdings, dass die Mediation als zusätzliches Instrument der Konfliktlösung auch im neuen Gesetz verpflichtend vorgeschrieben wird", so Pichler. (APA)

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