Fred, der Strahlungsmesser

10. Mai 2001, 19:11
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Ein Phantomtorso begleitet die Astronauten auf der ISS

Washington - Der Kerl heißt Fred, hat keine Arme und Beine, dafür einen Kopf, Knochen und innere Organe. Fred ist ein Phantomtorso aus Kunststoff, ein Geschöpf der Nasa, das die kommenden vier Monate auf der Raumstation ISS verbringen soll. Seine Aufgabe: mithilfe von Dosimetern die Strahlenbelastung von Astronauten zu messen. Und zwar nicht nur auf der Haut, sondern im ganzen Körper.

Drei Arten von Strahlen sind es, die Menschen im All gefährlich werden können: O Galaktische Kosmische Strahlung (CDRs) - Atomkerne, die durch Supernova-Explosionen beschleunigt wurden. Sie sind die energiereichsten und gefährlichsten. O Sonnenprotonen, die bei Sonneneruptionen bedrohlich werden. O Zerfallsprodukte nach Interaktionen zwischen CDRs, die in bestimmten Regionen im Magnetfeld der Erde gefangen sind (Van Allen Gürtel).

Wie wandern Strahlen?

Fred soll nun auf Wunsch von Studienleiter Gautam Badhwar (Johnson Space Center) die Verteilung der Strahlendosen innerhalb des menschlichen Körpers messen. Dazu wurde die Dichte der einzelnen Organe und Gewebe mit unterschiedlichen Kunststoffen simuliert. Zweitens soll durch die Messungen eine Korrelation zwischen der Belastung von Haut und Organen hergestellt werden, sodass man sich bei Astronauten weiterhin auf die Hautmessung beschränken kann. Schließlich soll noch herausgefunden werden, wie Strahlung durch den Körper wandert.

Für diese "Wandermessung" wurde Fred in 35 drei Zentimeter dicke Scheiben zerlegt. In jede Scheibe sind Strahlendetektoren - Dosimeter - eingebettet, insgesamt 416 Stück. Zusätzlich besitzt der Dummy fünf aktive Detektoren in Gehirn, Schilddrüse, Herz, Dickdarm und Magen. Sie messen die jeweilige Uhrzeit der Strahlenbelastung. Daraus lässt sich die Position des Raumschiffs ableiten, die wiederum Aufschluss über die Herkunft der gemessenen Strahlung gibt (GCRs, Van Allen Gürtel). Langfristiges Ziel des Projekts ist es, die Strahlenbelastung der Astronauten so gering wie möglich zu halten. (hk, DER STANDARD, Print-Ausgabe 9. 5. 2001)

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