Immer mehr Ägypter zieht es in die Wüste hinaus

9. Mai 2001, 20:08
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Der Bevölkerungsdruck ist enorm: allein im Großraum Kairo leben mehr als 16 Millionen Menschen

Kairo - Das enorme Bevölkerungswachstum zwingt immer mehr Ägypter, in Behausungen am Rande der Wüste zu ziehen. Sollte die Geburtenrate nicht sinken, würde die Bevölkerung innerhalb der nächsten 30 Jahre von derzeit 66,5 Millionen auf 123 Millionen anwachsen, erklärte der Leiter des Nationalen Statistik-Zentrums, Ihab Alawi, am Montag. Allein im Großraum Kairo drängen sich inzwischen mehr als 16 Millionen Menschen.

Doch trotz der teilweise quälenden Enge, ziehen es viele arme Familien vor, im Zentrum der Stadt zu bleiben, und nicht in die teilweise mehr als eine Autostunde entfernten Trabantenstädte am Wüstenrand zu ziehen. Manche von ihnen leben in winzigen Hütten auf den Dächern der Hochhäuser. Einige halten sich dort sogar Ziegen. Junge Paare müssen oft jahrelang bis zur Hochzeit warten, weil es nicht genug erschwinglichen Wohnraum gibt. Zum Händchenhalten treffen sich die schmachtenden Pärchen gerne abends am Nil.

Die gestiegene Lebenserwartung der Ägypter ist neben der hohen Geburtenrate - alle 23,5 Sekunden wird ein Baby geboren - der zweite Grund für die Bevölkerungsexplosion am Nil. Seit der Volkszählung von 1996 ist die Lebenserwartung um rund drei Jahre gestiegen. Für Frauen liegt sie inzwischen bei 69,5 Jahren. Die ägyptischen Männer werden im Durchschnitt 66,5 Jahre alt.

Um das Bevölkerungswachstum zumindest statistisch und verwaltungstechnisch in den Griff zu bekommen, hat die Regierung im vergangenen Jahr Beamte ausgesandt, die in den Haushalten nach der Zahl der Bewohner und der Kühlschränke fragten. Die Münchner Firma Giesecke & Devrient wurde beauftragt, 42 Millionen Personalausweise zu drucken, für alle Ägypter ab 16 Jahren. (APA/dpa)

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