Der Häusertausch ist "nicht sinnvoll"

8. Mai 2001, 22:41
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Theater an der Wien und Volksoper: abgehakt

Wien - Exkulturstadtrat Peter Marboe wollte es ganz genau wissen - und beauftragte zusammen mit dem Bund den Unternehmensberater Infora, den Häusertausch Theater an der Wien und Volksoper auf seine Folgen hin zu untersuchen. Jetzt, nach Veröffentlichung des Berichts, weiß man, was man bereits ahnte: Der Tausch ist "betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll".

Er verursacht nämlich "relativ hohe Einmalkosten" (mindestens 130 bis 150 Millionen Schilling für die Volksoper, mindestens 30 bis 45 Millionen für die Vereinigten Bühnen), ohne eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im laufenden Spielbetrieb zu bringen: Die Volksoper würde aufgrund des geringeren Platzangebots im Theater an der Wien Einnahmen von rund 15,8 Millionen Schilling jährlich verlieren, der Musical-Konzern hingegen könnte aber nur an Spitzentagen mehr Karten als derzeit verkaufen.

Die hohen Einmalkosten liegen im Umbau des Orchestergrabens im Theater an der Wien (20 Millionen) und in den Adaptierungen begründet: 40 Prozent der Volksoper-Repertoireproduktionen können nicht der neuen Bühne angepasst werden, die übrigen 60 Prozent nur mit hohem Aufwand. Wegen fehlender Lager ist zudem mit aufwendigeren Kulissenschiebereien zu rechnen (Kosten: plus fünf Millionen jährlich).

Für VP-Staatssekretär Franz Morak ist das Thema daher abgehakt. Und Andreas Mailath-Pokorny, Wiens neuer Kulturstadtrat (SP), will darüber nachdenken, wie im Theater an der Wien künftig mehr Oper und Operette gespielt werden kann.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 5. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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