Bürgerdienst in Sieverings "Rue de la Gack"

6. Mai 2001, 18:46
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Über die theoretische Verpflichtung von Hundebesitzern

Wien - Manchmal reicht es R. selbst. Vor allem, wenn im Sommer die Luft schwer und drückend über Sievering hängt und der Huckleberry-Finn-Bretterzaun vor seinem Garten zwar den Blick, aber nicht den Geruch abhält.

Dann greift R. selbst zum Rechen. Im schmalen Blanche-Aubry-Weg, der die Sieveringer Straße mit dem Hackenbergweg verbindet, kann man ihn dann arbeiten sehen: beim Zusammenkehren großer Mengen von Hundverdautem.

R. hat selbst keinen Hund. Nicht, dass er was gegen Wauwaus hätte. Im Gegenteil. Aber manchmal wird er sauer: Der schmale, im Stadtplan nicht einmal eingezeichnete Weg ist bei Hundebesitzern nämlich sehr beliebt: Der rund 700 Meter lange Hohlweg ist ein einziges Hundeminenfeld.

Das ärgerte nicht nur Anrainer R., sondern auch Spaziergänger. Die wendeten sich dann ans Bürgerservice. Dieses ermittelte vor Ort, stellte fest, dass die Gasse den Beinamen "Rue de la Gack" zu Recht trägt und wurde aktiv. Bei R., dem Anrainer.

Als ebensolcher, teilte der Magistrat R. nämlich mit, müsse er den Weg sauber halten. "Grundsätzlich besteht die Anrainerverpflichtung" heißt auf amtlich, was auch "Zumutung" genannt werden kann: Gehsteige vor einer Liegenschaft sind nicht nur winters von Schnee, sondern auch - das ganze Jahr über - von Hundekot freizuhalten.

In R.s Fall - und der ist kein Einzelfall - bedeutet dies, dass "ich mindestens alle zwei Tage die Scheiße, die andere hier zurücklassen", aufputzen muss. Die Nichterfüllung der "Anrainerverpflichtung" kann teuer bestraft werden.

Die Alternative, erklärte man R. "sehr höflich, bedauernd, aber doch bestimmt", wäre, die Hundehalter aufzufordern, den Dreck ihrer Lieblinge selbst zu entsorgen. Wie jemand, der nicht den ganzen Tag über einen Bretterzaun spähen kann, dies tun soll und wie R. sich gegen die auf derartige Aufforderungen im Regelfall folgenden, zumindest beleidigenden Drohungen schützen soll, ist unklar. Im Gegensatz zur Rechtslage.

Diese, bestätigt man dem STANDARD im Büro der zuständigen Stadträtin Grete Laska (SP), ist eindeutig: Auf den Letzten scheißen die Hunde. (Der Standard, Print-Ausgabe, 7. 5. 2001)

Von Thomas Rottenberg
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