TV-Provokation: Celentano sorgt für Entrüstung

11. Mai 2001, 18:19
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Nach Äußerungen über das italienische Transplantationsgesetz

Adriano Celentano, bekannt als Sänger mit der Reibeisenstimme, sorgt wieder einmal für Polemik in Italien. Zum zweiten Mal binnen einer Woche kritisierte der populäre Star während seiner TV-Show das Gesetz über Organverpflanzungen und brachte den Staatssender RAI damit in Verlegenheit. Celentano kritisierte das vor zwei Jahren verabschiedete Gesetz, laut dem jeder Staatsbürger als potenzieller Organspender gilt, wenn er sich nicht ausdrücklich dagegen ausspricht.

Scheinheiligkeit

Während seiner Show warf Celentano der vatikanischen Tageszeitung "Osservatore Romano" Scheinheiligkeit vor. Die Tageszeitung habe Patienten, die auf Spenderorgane warten, gegen ihn aufgehetzt, nachdem er vergangene Woche seine Bedenken zu dem Gesetz geäußert hatte. Er habe nicht die Organspende kritisiert, sondern das Gesetz, das seiner Ansicht nach revisionsbedürftig sei.

"Kultureller Terrorismus"

Celentano ist ein rotes Tuch vor den Augen des Verbands der Kranken, die auf eine Transplantation warten. "Sollte in den nächsten Monaten die Zahl der Organspenden zurückgehen, wissen wir, bei dem wir uns zu bedanken haben. Die Meinungsfreiheit hat nichts mit dem kulturellen Terrorismus zu tun, den Celentano gegen das Gesetz führt", erklärte der Verband.

Der Bischof von Como und Kommunikationsexperte Alessandro Maggiolini rief die Italiener auf, die TV-Show zu boykottieren auf andere Programme umzuschalten. "Öffentliches Geld für dermaßen nichtssagende Programme auszugeben ist eine Beleidigung für die Bürger, die dem Staatsfernsehen RAI ihre Fernsehgebühren zahlen. Es ärgert mich, dass dieses Geld einen Mann wie Celentano bereichert", wetterte Maggiolini. (APA)

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