Das Imperium des Silvio Berlusconi

4. Mai 2001, 14:49
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Fernsehen, Fußball und Finanz

Rom - Fernsehen, Fußball und Finanz: Auf diese drei Eckpfeiler stützt sich das Wirtschaftsimperium von Silvio Berlusconi, dem reichsten italienischen Unternehmer, der im Fall eines Wahlsiegs bei den Parlamentswahlen am 13. Mai zu Europas umstrittenstem Regierungschef werden könnte. Der 63-jährige Mailänder, der laut der Zeitschrift "Forbes" mit einem Vermögen von 15 Mrd. Euro an dritter Stelle in der Liste der wohlhabendsten Männer Europas rangiert, verspricht seit seinem Einstieg in die Politik vor sieben Jahren das Problem seiner Interessenskonflikte zu lösen, doch sich von seinem Wirtschaftsimperium zu trennen fällt ihm schwer.

Seit 20 Jahren ist Berlusconi der König des italienischen Privatfernsehens. Ihm verdanken die Italiener den Bruch des bis Anfang der 80er Jahre bestehenden Monopols des Staatsfernsehens RAI. Als erster in Italien begriff Berlusconi die Bedeutung der Werbung für die Entwicklung eines privaten TV-Systems nach amerikanischem Modell. Heute kontrolliert Berlusconi über die Familienholding Fininvest, deren Wert bis zu 20 Mrd. Euro mit einem Jahresumsatz von 2,2 Mrd. Euro geschätzt wird, drei national ausgestrahlte Fernsehsender (Canale 5, Rete 4 und Italia 1). Der Sohn eines Bankangestellten, der sich vom kleinen Bauunternehmer zum Multimillionär entwickelte, hat in den letzten 15 Jahren sein Imperium diversifiziert.

Unter dem Dach seiner - in eine Vielzahl von teils mysteriösen Schachtelfirmen aufgesplitteten - Fininvest findet sich in erster Linie Mediaset, die Privat-TV-Anstalt, zu der die drei italienischen Sender sowie der spanische Kanal Telecinco gehören. Über Mediaset kontrolliert er außerdem Publitalia, die größte Werbeagentur im Land. Mediaset, an der Berlusconis Fininvest einen 48,3-prozentigen Anteil hält, wird auf einen Wert von 2,36 Mrd Euro geschätzt. Über die Gesellschaft Blockbuster Italia verleiht Berlusconi Filme, die er über seine Filmproduktionsgruppe Medusa produziert. Er besitzt auch die größte nationale Kinokette, Cinema 5.

Berlusconi kontrolliert außerdem zahlreiche Verlagsgruppen wie Mondadori, Einaudi und Sperling & Kupter, die Tageszeitungen, Wochenzeitschriften und Bücher herausgeben. Die Verwaltung der Tageszeitung "Il Giornale", die zum Sprachrohr der von Berlusconi gegründeten Partei Forza Italia geworden ist, hat er Anfang der 90er-Jahre seinem Bruder Paolo anvertraut. Auch neue Medien faszinieren den lombardischen Tycoon. Seit 1999 kontrolliert er das erfolgreiche Internetportal Jumpy sowie das Branchenverzeichnis Pagine Italia. Im Baubereich ist Berlusconi immer noch mit der Baugesellschaft Edilnord präsent, die er mit einer 63,6-prozentigen Beteiligung kontrolliert.

Die große Vorliebe Berlusconis ist jedoch der Fußball. 1986 erwarb er den Mailänder Fußballklub AC Milan, den er in wenigen Jahren zu einer der stärksten europäischen Mannschaften umwandelte. "Mich nicht mehr aktiv um Milan kümmern zu können, ist ein Nachteil der aktiven Politik, die ich betreibe", sagt Berlusconi. Auch in der Finanzwelt ist Berlusconi vertreten. Seine Finanzgruppe Mediolanum meldet einen Jahresumsatz von 1,87 Mrd. Euro. An der Mailänder Investmentbank Mediobanca hält Berlusconis Fininvest eine zweiprozentige Beteiligung. Auch bei der Benetton Finanzholding mischt der unermüdliche Berlusconi mit einem Zehn-Prozent-Anteil mit.

"In 70 Prozent der Beschlüsse, die Berlusconi als Ministerpräsident fassen müsste, droht die Gefahr von Interessenskonflikten", sagte Regierungschef Giuliano Amato. Ob der italienische Oppositionschef sein Wirtschaftsimperium verkaufen wird, ist ungewiss. Seit Wochen mehren sich Gerüchte über Berlusconis Absicht, seine TV-Kanäle an den australischen Medienmagnaten Rupert Murdoch zu verkaufen, doch bisher wurden die wilden Spekulationen nicht bestätigt. Auf die Frage, die ihm immer wieder gestellt wird, warum er sich sieben Jahre nach seinem Einstieg in die Politik immer noch nicht von seiner Holding getrennt hat, pflegt Berlusconi eine typisch italienische Antwort zu geben: "Hauptgrund ist die Sentimentalität, denn die Sender sind schließlich meine Kreaturen." (APA)

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