Frühes Motiv der Marienkrönung im Stift Admont

3. Mai 2001, 14:29
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Forschungsarbeit der Kunsthistorikerin Stefanie Seeberg ausgezeichnet

Graz - Mit dem mit 40.000 Schilling dotierten Abt Engelbert-Preis des obersteirischen Stift Admont wurde die Münchner Kunsthistorikerin Stefanie Seeberg ausgezeichnet. Das Stift honoriert damit die Forschungsarbeit, die sich mit den mittelalterlichen Handschriften der Admonter Bibliothek auseinander gesetzt hat und im Zuge ihrer Recherchen auf eine der frühesten Darstellungen der Marienkrönung im deutschsprachigen Raum gestoßen ist.

Den kunsthistorischen, handschriftenkundlichen und liturgischen Aspekten des Admonter Codex 18 - einem Gebetbuch aus dem 12. Jahrhundert - war die Forschungsarbeit der jungen Wissenschafterin der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität gewidmet. Es handelt sich um ein großformatiges Brevier (Gebetbuch) aus dem Jahre 1180, das im Männerkloster für den damaligen Nonnenkonvent in Admont geschrieben wurde. Es ist mit reicher buchkünstlerischer Ausstattung versehen und bietet einen Einblick in die Spiritualität der Mönche und Nonnen der beiden obersteirischen Konvente.

Marienkrönung

Im Zuge ihrer Recherchen stieß Seeberg in diesem Codex auf eines der frühesten Beispiele des Motives der Marienkrönung im deutschsprachigen Raum. "Insgesamt fällt bei den szenischen Darstellungen auf, dass sie von der tradierten mittelalterlichen Ikonografie ausgehen, die meisten Bildformulierungen jedoch spontan entstanden und keine Kopien von Bildvorlagen sind", so die Kunsthistorikerin. Thematisiert finden sich die für die monastischen Vorstellungen des 12. Jahrhunderts sehr komplexen theologische Deutungen des Hoheliedes sowie die Frage um die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, resummiert Seeberg.

Der Wissenschaftspreis wird in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen: Anlässlich des 925-jährigen Bestehens des Klosters Admont im Jahre 1999 haben Abt und Konvent diese jährliche Auszeichnung für den gesamten deutschsprachigen Raum initiiert. Der Preis wird für herausragende wissenschaftliche Forschung in den Gebieten der Theologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Architektur und Philosophie verliehen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Thema in direktem Zusammenhang mit dem Stift steht.

Gewidmet ist der Preis dem Admonter Abt Engelbert (gest. 1331), einem der vielseitigsten Gelehrten des Mittelalters. Von 1297 bis 1327 leitete er die Geschicke des obersteirischen Stiftes, das bereits damals ein bedeutendes geistiges, wirtschaftliches und künstlerisches Zentrum war. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bild des Stift-Archivs vom Herbst 2000

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