Wirtschaftsprüfer: Haftung ohne Limit brächte hohes Berufsrisiko

3. Mai 2001, 11:42
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Prozessflut wegen geplanter Änderungen bei Fahrlässigkeit droht

Wien - Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder begrüßt die geplante Erhöhung der Haftungsobergrenzen für Abschlussprüfungen von Unternehmen von derzeit 5 Mill. S (363.364 Euro) auf eine Mill. Euro (13,76 Mill. S). Sie erhöhe die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Abschlussprüfern anderer Länder, die ihren Klienten bereits heute in dieser Höhe Sicherheit bieten müssten. Die Kammer warnt jedoch vor den Folgen einer unbegrenzten Haftung bei "grober Fahrlässigkeit", wie es im Abänderungsentwurf nach Paragraph 275 Handelsgesetzbuch, der die Berufsausübung der Wirtschaftsprüfer betrifft, geplant ist.

Der Justizressort-Entwurf sieht vor, daß künftig bei Haftungsfragen zwischen grober und leichter Fahrlässigkeit unterschieden wird, was heute nicht der Fall ist. In Fällen von grober Fahrlässigkeit soll es nach dem Entwurf künftig keine Haftungsobergrenze mehr geben. Derzeit gilt ein generelles Haftungslimit bei Fahrlässigkeit von 5 Mill. S.

Keine Versicherung möglich

Da Fahrlässigkeitsfehler zum Berufsrisiko gehören, versichern sich Wirtschaftstreuhänder dagegen. Versicherungen gegen Schäden ohne Haftungsobergrenze werden jedoch am Markt nicht angeboten, so die Wirtschaftstreuhänder. Damit wäre ein wirtschaftliches Betreuen von Großaufträgen für viele Kanzleien unmöglich. Präsident Klaus Hübner von der Kammer der Wirtschaftstreuhänder: "Mit dieser Neuregelung wäre für die Mehrheit der Abschlussprüfer das Berufsrisiko nicht mehr kalkulierbar. Eine nach oben offene Haftung bei grober Fahrlässigkeit würde bedeuten, daß eine einzige Fehlentscheidung die Existenz eines Wirtschaftstreuhänders für sein Leben lang zerstören könnte."

Eine Anhebung der Haftungslimits ist aus Sicht der Kammer jedoch notwendig. Die Treuhänder empfehlen aber eine Übernahme der Regelung, wie sie in Deutschland gilt. "Wir sind gegen eine Unterscheidung zwischen grober und leichter Fahrlässigkeit, für eine Anhebung der Haftungsobergrenze von 5 Mill. S auf eine Mill. Euro bzw. bei börsenotierten Gesellschaften auf 4 Mill. Euro", so Hübner: "Damit wären wir mit den Berufskollegen aus dem Land mit den meisten Wirtschaftsbeziehungen, Deutschland, gleichgestellt. Die geplante Neuregelung hingegen würde die österreichischen Wirtschaftstreuhänder gegenüber den deutschen Kollegen benachteiligen." (APA)

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