Gentech-Mais angeblich in österreichischem Saatgut

2. Mai 2001, 15:36
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Firma Pioneer von Umweltschützern angezeigt

Wien - Saatgut der Firma Pioneer ist nach Angaben von Greenpeace mit gentechnisch manipuliertem Mais kontaminiert, der in Österreich nicht zugelassen ist. Das Unternehmen wurde bei den zuständigen Behörden angezeigt, teilte die Umweltorganisation mit. Am Vormittag warnten Greenpeace-Aktivisten beim Parlament in Wien vor gentechnisch verunreinigtem Mais. Pioneer-Chef Felix Rudolf widersprach dem Ergebnis der Greenpeace-Tests: "Wir haben unsere Produkte im eigenen Labor nach PCR-Methode (Polymerase-Chain-Reaction) getestet. Unter der EU-Prämisse vom 13. März, dass es ein absolutes Null nicht gibt, waren unsere Produkte alle Gentech-frei", erkläert Rudolf.

Alle Hybriden von Pioneer würden auf konventionelle Weise produziert, erklärte der Unternehmens-Chef. Wenn Greenpeace eine Anzeige machen wolle, so stehe ihnen das frei - es komme immer auch auf den Rechtsrahmen an, in dem eine solche erstattet werde.

Gentech-Mais im Pioneer-Saatgut

Der Gentech-Mais im Pioneer-Saatgut war bei Analysen im Auftrag von Greenpeace entdeckt worden. In der konventionellen Sorte PR39D81 der Firma fanden die Tester Anteile von gentechnisch manipulierten Maissorten BT11 sowie Mon809 oder Mon810 (diese Produkte der US-Firma Monsanto sind analytisch nicht unterscheidbar).

Bei BT11 handelt es sich um einen Mais der Firma Novartis, der durch Genmanipulation ein Insektengift produziert und gegen ein Unkrautvernichtungsmittel widerstandsfähig ist. BT11 darf in die EU nur importiert, aber nicht angebaut werden. Mon810 ist in Österreich mit einem Importverbot belegt, und für Mon809 ist das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Der Verkauf all dieser Sorten ist in Österreich daher illegal, so Greenpeace.

Rückholaktion wird gefordert

Für Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V), der am Nachmittag am parlamentarischen Landwirtschaftsausschuss zum Thema Saatgut teilnehmen sollte, hinterlegten die Greenpeace-Aktivisten weitere Saatgutproben versehen mit der Aufforderung, es "dringend" zu untersuchen: "Da die Aussaat von Mais unmittelbar bevorsteht, verlangen wir von den zuständigen Ministern Molterer und Haupt unverzüglich ein Verbot für in Amerika erzeugtes Saatgut, lückenlose Kontrollen und eine Positiv-Liste mit kontrolliert Gentech-freiem Saatgut. Außerdem muss Pioneer eine sofortige Rückholaktion starten", forderte der Greenpeace-Aktivist Thomas Fertl.

"Null Toleranz" bei Saatgutverunreinigung

Bei Saatgut-Verunreinigungen gelte "Null Toleranz", betonte die Umweltorganisation. "In Österreich wird auf 245.000 Hektar Mais angebaut. Eine 'nur' 0,1 prozentige Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Saatgut käme damit einer Freisetzungsfläche von 245 Hektar gleich", sagte Fertl.

"Bisher gilt Mais aus österreichischem Anbau als Gentechnik-frei. Das muss auch weiterhin so bleiben", betonte Fertl. "Offensichtlich ist die Gentechnologie außer Kontrolle geraten. Wenn die Sicherheit des Saatguts nicht garantiert werden kann, muss der Import verdächtiger Sorten gestoppt werden", so Greenpeace. (APA)

Mehr Information zu genverändertem Saatgut bei Greenpeace
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