Schwere Auseinandersetzungen in Kreuzberg

2. Mai 2001, 12:15
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Friedliches Bezirksfest eskaliert - Rund 400 Festnahmen

Berlin - Zu schweren Ausschreitungen ist es am frühen Dienstagabend im Berliner Stadtteil Kreuzberg gekommen. Auf dem Mariannenplatz besuchten rund 5.000 Menschen das von PDS und Grünen veranstaltete traditionelle Stadtteilfest. Das zunächst friedliche Familienfest eskalierte im Anschluss an zwei Kundgebungen im Szenebezirk.

Die Polizei sperrte den Platz ab und setzte mehrere Wasserwerfer und Tränengas ein. Die Ordnungskräfte wurden mit Steinen und Flaschen beworfen. Ein Auto ging in Flammen auf. Dabei gab es zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten. Mindestens 400 Menschen wurden festgenommen, sagte ein Polizeisprecher. Genaue Zahlen waren zunächst nicht bekannt. Nach Mitternacht beruhigte sich die Lage jedoch zunehmend.

Über das Ausmaß der Schäden gab es unterschiedliche Einschätzungen: Augenzeugen erklärten, bei den Krawallen habe es sich um die schwersten Ausschreitungen seit zehn Jahren an einem 1. Mai in Berlin gehandelt. Polizeipräsident Hagen Saberschinsky sagte dagegen, es habe deutlich weniger Schäden gegeben als in den Vorjahren.

Demonstration war untersagt worden

Jugendliche hatten am Dienstagabend in Kreuzberg Autos in Brand gesetzt und Pflastersteine auf Polizeibeamte geschleudert. Sie versuchten auch, brennende Barrikaden zu errichten. Die Einsatzkräfte reagierten mit Wasserwerfern und Tränengas und setzte schwere Räumfahrzeuge ein, um die Barrikaden wegzuschieben. Zu Plünderungen von Geschäften, wie in einigen Vorjahren, kam es bis in die späten Abendstunden aber nicht. Die Krawalle waren ausgelöst worden, als mehrere hundert Menschen die Aufforderung der Polizei ignorierten, eine Straße in Kreuzberg zu räumen.

Die Polizei war rund um den 1. Mai mit der Rekordzahl von 9000 Beamten im Einsatz. Die Behörden hatten in diesem Jahr erstmals mit dem Verbot einer Demonstration von Linksextremen in Kreuzberg die Gewalt bereits im Keim ersticken wollen. Trotzdem hatten sich hunderte meist Jugendliche in der Nähe des zunächst geplanten Demonstrationsortes versammelt. Mit dem Anbruch der Dunkelheit beruhigte sich die Lage zunächst wieder. (APA/dpa/Reuters)

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