Sprachprobleme - von Günter Traxler

2. Mai 2001, 12:23
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Für seinen von tiefster humanistischer Überzeugung getragenen Vorschlag, Zuwanderer sollten einen "Integrationsvertrag" unterschreiben, um einiger Segnungen dieser Republik teilhaftig zu werden, hat FP-Klubobmann Peter Westenthaler kürzlich leider nur Zustimmung vonseiten seiner ÖVP-Kollegin geerntet. Zunächst sollten Ausländer nach Westenthalers Vorstellungen zu ihrem eigenen Schutz durch Unterricht über "Land und Leute" von ihrem Vorhaben abgebracht werden, sich hier zu integrieren. Sollte das nichts nützen, wird schwereres Geschütz aufgefahren: das zwangsweise "Erlernen der deutschen Sprache, um damit auch auf beruflicher Ebene etwas anfangen zu können".

Gutmenschen haben das - typisch! - sofort wieder als eine blaue Bösartigkeit interpretiert, statt unvoreingenommen die Kompetenz des Klubobmannes in dieser Frage anzuerkennen. Das Erlernen der deutschen Sprache ist kein leichtes Unterfangen, aber es zahlt sich aus. Was man damit auf beruflicher Ebene anfangen kann, wenn man sie einmal beherrscht, haben uns neulich zwei Vertreter eines der schwersten Berufe überhaupt vorgeführt, nämlich zwei der drei Generalsekretäre der FPÖ.

Der dritte ist erst kurz im Amt und durch sprachliche Kompetenz nicht aufgefallen, weshalb er sich noch nicht in das Gedächtnis der Öffentlichkeit integrieren konnte. Daher ist auch schon wieder seine Ablöse im Gespräch. Susanne Riess-Passer hält ihn? Na, hoffentlich weiß wenigstens sie, wie er heißt.

Glänzend bewährt hingegen, weil von großer sprachlicher Wendigkeit im deutschen Ausdruck, hat sich sein Kollege Peter Sichrovsky, nachdem das Oberlandesgericht Wien den Politologen Anton Pelinka vom Vorwurf der üblen Nachrede - Jörg Haider sei ein Verharmloser des Nationalsozialismus - freigesprochen hatte. Da darf sich ein Generalsekretär an sprachlicher Geschmeidigkeit von keinem übertreffen lassen. Sichrovsky wandelte via FPÖ-Pressedienst den Freispruch in eine Verurteilung, nein, in eine Verdammung um: Der Freispruch Pelinkas sei "im Grunde genommen eine peinliche Niederlage eines sogenannten Historikers, der versucht, über den Gerichtsweg seine politisch motivierten Manipulationen historischer Tatsachen zu bestätigen".

Brillant formuliert! Schließlich hat sich Pelinka zunächst selbst geklagt, um über den Gerichtsweg so richtig historische Tatsachen manipulieren zu können. Ja, "er benutzt in diesem Sinne die Opfer des Nationalsozialismus, um eine politische Auseinandersetzung zu führen, der er sonst nicht gewachsen wäre", führte Sichrovsky integrationswilligen Ausländern vor, wozu ein Inländer fähig ist. Die nächste Probe seiner Sprachgewandtheit darf er zum Lohn auf dem Ulrichsberg ablegen.

Noch pointierter setzte Theresia Zierler ihre sprachlichen Mittel ein, als sie in der Vorwoche Peter Pilz abfertigte, nachdem dieser die Arbeit der Staatsanwaltschaft in der Spitzelaffäre kritisiert hatte. "Den Justizminister zu beflegeln ist für den Grün-Mandatar ohnehin schon so etwas wie eine ,zweite Haut'", verlieh sie ihrem Zungenschlag einen dermatologischen Akzent. Dann ging sie daran, ihre metaphorische Munition aus der Gulaschkanone zu verschießen: "Das Aufwärmen und Neuaufkochen alter und bereits hinreichend geklärter Unterstellungen gegenüber den Freiheitlichen sei typisch für die Pilzsche Politik. Diese ,Gulasch-Methode' funktioniere vielleicht im kulinarischen Bereich, aber sicher nicht in der politischen Arbeit."

Welche Eleganz! An Sichrovsky und Zierler können Zuwanderer lernen, wie weit man es hierzulande durch Sprachbeherrschung bringen kann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 2.5.2001)

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