Libanesische Christen fordern Abzug syrischer Truppen

1. Mai 2001, 17:54
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Treffen bei maronitischem Patriarchen

Beirut/Kairo - Eine Gruppe einflussreicher libanesischer Christen hat den Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon gefordert. Wie die arabische Tageszeitung "Al Hayat" am Dienstag berichtete, trafen sich am Montag auf Einladung des maronitischen Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir zahlreiche Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Es handelte sich um eine der größten Versammlungen libanesischer Christen seit dem Ende des fünfzehnjährigen Bürgerkrieges 1990.

Die von Kardinal Sfeir angeführte Gruppe sprach sich für die Umsetzung des Abkommens von Taif aus. Das Abkommen aus dem Jahr 1989 sieht zwei Jahre nach der Bildung einer Regierung der nationalen Versöhnung den Rückzug der syrischen Truppen in ein Gebiet nahe der libanesisch-syrischen Grenze vor. Die Gruppe betonte jedoch, die größte Gefahr für die Sicherheit des Libanon gehe nach wie vor von Israel aus, das seine Truppen vor einem Jahr aus dem Südlibanon zurückgezogen hat, und nicht von Syrien.

Der libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri hatte bei seinem jüngsten USA-Besuch eingeräumt, dass die Präsenz von mehr als 30.000 syrischen Soldaten im Libanon derzeit Gegenstand einer intensiven Debatte sei; diese sei begrüßenswert, weil sie die "demokratische Vitalität" des Libanon deutlich mache. Die Beziehungen zwischen dem Libanon und Syrien bezeichnete Hariri als "stark und privilegiert". Staatspräsident Emile Lahoud, selbst maronitischer Christ, hatte kürzlich in einem Gespräch mit Patriarch Sfeir versucht, die Situation zu beruhigen, um die Gefahr politischer Spannungen zwischen den Religionsgruppen zu bannen.

Zwischen Syrien und dem Libanon besteht seit 1991 ein Beistandspakt, der politische Konsultationen in allen wichtigen Fragen vorsieht. Seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im Mai vorigen Jahres mehren sich die Stimmen, die auch den Abzug der Syrer verlangen. Auch traditionelle Verbündete Syriens wie Drusenführer Walid Joumblat haben eine Lockerung der syrischen Militärpräsenz und ein "neues Gleichgewicht" in den bilateralen Beziehungen gefordert. (APA/dpa)

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