skandal: kunst

30. Mai 2001, 16:56
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Wie man in der Medienwelt mit Skandalen Quoten steigern kann, zeigen Peter Zimmermann und Sabine Schaschl

Das Lexikon erklärt den Begriff Skandal als: ein anstoß -und aufsehenerregendes Vorkommnis - Was macht jedoch den Skandal aus? Kippt nicht manchmal die Diskussion über das Kunstwerk in die Realsatire, weil es tatsächlich gar nicht mehr um Fakten und Sachzusammenhänge rund um den Künstler und sein Werk geht? Beispiele gibt es genug, die ehemalige Diskussion um den Container am Karlsplatz, den Leseturm im Museumsquartier u.v.a. Eines der jüngsten Beispiele: Eine freiheitliche Abgeordnete verlangte einen Lokalaugenschein in der Ausstellung „Wiener Gruppe“ in der Kunsthalle Wien. Kunst als Kriminalfall. Natürlich greift Kunst in gesellschaftspolitische Gegebenheiten ein, in dem sie diese thematisiert, sichtbar macht oder kritisiert. Anlass zur Diskussion geben jedoch meist ganz andere Gründe. So bleibt ein freilaufender Hund, unter dem Namen Spot aktenkundig in einer Stahlskulptur stecken. Ein vorerst unbedeutender Vorfall, zumindest keiner der dem Künstler angelastet werden kann. Dennoch wird dies zum lokalen Medienereignis. Die Mechanismen die von einem Alltagsereignis, das eigentlich in den Chronikteil einer Zeitung gehört, zu einem veritablen Kunstskandal führen beschreibt das Buch „skandal: kunst“. Das Buch ist keine Aneinanderreihung von einzelnen Beispielen, sondern versucht Grundsätzliches über das Wesen und die Funktion des Skandals herauszufinden, die Motive zu erfassen, die notwendig sind um aus einem Ereignis eine öffentliche Reaktion herzustellen, Manipulationen die wir täglich, nicht nur im Kunstbereich in den Zeitungen und Magazinen lesen. Ein Buch das anhand exemplarischer Beispiele zeigt, wie gezielt auch Skandale eingesetzt werden können um Quoten zu steigern. Ein Buch für alle, die täglich Medien konsumieren und/oder gestalten. (Silvie Steiner)
Peter Zimmermann/Sabine Schaschl
skandal: kunst
Springer Verlag, Wien New York 185 S./EUR 29,14
ISBN: 3211834184

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