Abtreibung nach medizinischer Indikation

23. März 2001, 14:16

Frist bei Behinderungen soll verkürzt werden

Wien - Mit der Idee, ob jene Frist verkürzt werden könnte, innerhalb der ein behindertes Ungeborenes abgetrieben werden darf, sorgte Sozialminister Herbert Haupt Ende November des Vorjahres für Diskussionen. Der Aufschrei der Frauen - vor allem in der SPÖ - folgte postwendend: Das wäre ein weiterer Rückschritt in Frauenangelegenheiten, an der Fristenlösung dürfe nicht gerüttelt werden.

Nun äußert sich die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zu dem Thema. Fazit: Eine kürzere Frist beim medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch wäre auf Grund der modernen Diagnostik prinzipiell möglich. Die Fachgesellschaft schlägt dazu allerdings sehr detaillierte Regelungen vor.

Fristenlösung unangetastet

Prof. Dr. Martin Langer von der Universitäts-Frauenklinik in Wien: "Die derzeit geltende Regelung erlaubt einen Schwangerschaftsabbruch bei der Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung bis zum Geburtstermin. Seit dem Gesetzesbeschluss über die Fristenlösung in Österreich haben sich aber die medizinischen Möglichkeiten zur Diagnose von Missbildungen deutlich gewandelt. Unsere Stellungnahme nimmt darauf Rücksicht."

Als oberstes Prinzip wollen die österreichischen GynäkologInnen eine je nach Schwangerschaftsphase "abgestufte" Regelung sehen. An der Fristenlösung, die einen Abbruch bis zum dritten Monat erlaubt, soll nicht gerüttelt werden.

Abbruch bis zur 22. Woche

Doch auf der anderen Seite hat die Pränataldiagnostik in den vergangenen Jahren wesentliche Fortschritte gemacht. Der Gynäkologe und Psychotherapeut: "Liegt eine ernste Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren oder des Kindes vor, sollte die Schwangerschaft bis 22 Wochen nach der Empfängnis abgebrochen werden dürfen."

Allerdings sollte dann die Gefahr für die Mutter durch eine/n Fachärzt/in diagnostiziert und begründet werden. Gleiches gilt für die Diagnose einer Schädigung beim Ungeborenen durch die GynäkologInnen. Langer: "Diese Frist ergibt sich daraus, dass die derzeitigen Methoden zur Pränatal-Diagnostik vor allem in der zehnten bis 20 Woche nach der Konzeption angewendet werden können. Weiters beginnt die theoretische Lebensmöglichkeit des Kindes in dieser Zeit." Eine kürzere Frist sei hier im Gegensatz zum ministeriellen Vorschlag derzeit nicht möglich, eine längere berge die Gefahr eines Schwangerschaftsabbruchs bei einem lebensfähigem Kind.

In Ausnahmefällen bis zur Geburt

Grundsätzlich soll es aber auch die Möglichkeit geben, bei bestimmten Voraussetzungen Schwangerschaftsabbrüche weiterhin bis zum Geburtstermin durchzuführen. Der Gynäkologe: "Dies sollte möglich sein, wenn eine Erkrankung des Kindes - wie eine Missbildung oder einen Chromosomenschaden - vorliegt, die nicht mit dem Überleben vereinbar ist." Hier sollte auch zu ein Gutachten einer zweiten Fachärztin eingeholt werden müssen.

Auch bei unmündigen Schwangeren sollten diese Bestimmungen gelten. Hier sollten schließlich laut den GynäkologInnen Fachleute insbesondere eine mögliche Gesundheitsgefährdung der Jugendlichen, ihre Einsichts- und Urteilsfähigkeit (Kinder-Neuro-Psychiatrie) und andere Faktoren berücksichtigt werden. Entscheidungen müssten unter Beachtung der Bestimmungen des Kindschafts- und Vormundschaftsrechtes getroffen werden. (APA/red)

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