Vom Baume, den Athene pflanzte

24. Mai 2001, 01:40
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Das Olivenöl, unverzichtbar für alle, die kulinarisch auf sich halten, macht jetzt eine zweite Karriere - als Baustein in der Kosmetik

Er ist immergrün, sehr genügsam, seine Blätter schimmern silbrig und er kann bis zu 2000 Jahre alt werden: Um den Olivenbaum mit seiner außergewöhnlichen Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit ranken sich Mythen und Legenden. Die Entstehung des Olivenbaums geht nach der griechischen Mythologie auf einen Streit zwischen Athene, der Göttin der Weisheit, und Poseidon, dem Gott des Meeres, zurück.

Es ging um die Vorherrschaft über Attika: Wer etwas Unvergängliches zum Nutzen des Volkes schaffen würde, sollte darüber die Vorherrschaft erlangen, sprach Zeus. Darauf stieß Poseidon seinen Dreizack in den Felsen, eine salzige Quelle entsprang, die die künftige Vormacht Attikas auf den Weltmeeren symbolisieren sollte. Athene pflanzte einen Olivenbaum, der die Menschen mit Nahrung, Lampen-, Salb- und Duftölen versorgte - sie gewann den Wettstreit.

Es begann vor 3000 Jahren ...

Bereits vor 3000 Jahren wurden auf Kreta die Früchte des ursprünglich in Kleinasien beheimateten Olivenbaums zur Ölgewinnung genutzt, für die Ernährung, aber auch für kosmetische und kultische Zwecke. In Griechenland galt er als heiliger Baum, sein Öl wurde als Nektar der Götter bezeichnet, und die Sieger bei den Olympischen Spielen wurden mit Olivenzweigen gekrönt. Von Griechenland breitete sich die Olivenkultur in den anderen Mittelmeerländern aus. Heute hat sich Olivenöl in den Küchen auch außerhalb des mediterranen Raums einen fixen Platz bei Genießern und Gesundheitsbewussten erobert.

Olivenöl in der Kosmetik

Seine besonderen Eigenschaften werden nun auch in der Kosmetik "wieder entdeckt". Olivenöl wird wegen seiner hautberuhigenden, glättenden Eigenschaften geschätzt, es unterstützt zudem die natürliche Feuchtigkeitsbalance der Haut. Durch seinen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren ähnelt es dem Hautfett und kann daher leicht absorbiert werden.

In der Nische der so genannten "Naturkosmetik" ist die Essenz vom heiligen Baum schon seit einiger Zeit ein beliebtes Pflegemittel. So hat z. B. das dänische Unternehmen Allison eine ganze Serie auf der Basis von reinem Olivenöl im Programm (in Österreich erhältlich über www.e-vitaminmarkt.com). Ein All-Time-Klassiker ist die klobige Olivenölseife, auch bekannt als Marseille-Seife. Ganz zu schweigen von einem Massenprodukt wie der Palmolive-Seife, die neben Palmöl ebenfalls Olivenöl enthält. Die gibt's übrigens schon seit 1898.

Olivenanbaugebiet Provence

Aus einem wichtigen südfranzösischen Olivenanbaugebiet, nämlich der Provence, kommt die neue Olivenöl-Serie von L'Occitane. Olivenöl wird in der Provence traditionell nicht nur innerlich konsumiert, sondern auch für die Körper- und Haarpflege verwendet. Angeblich haben ja die mit der Pressung von Olivenöl beschäftigten Männer und Frauen die schönsten, weichsten Hände . .

Die Firma L'Occitane mit Hauptsitz in Manosque unweit von Marseille hat sich viel vorgenommen, was Qualität und Authentizität der neuen Linie angeht. Wie schon bei der zur Erntezeit der lila Blumen lancierten Lavendel-Serie machte man sich auch für das Olivenöl auf die Suche nach einem lokalen Produzenten mit vergleichbar hohen Gütestandards.

Kooperationen seien immer auch eine Frage der Einstellung, der "gleichen Wellenlänge", erzählt Olivier Baussan, "wir arbeiten nur mit Leuten, die so ähnlich denken wie wir". Baussan gründete vor 25 Jahren die Firma L'Occitane, verkaufte sie vor fünf Jahren an den gebürtigen und schon lange in Frankreich lebenden Vorarlberger Reinold Geiger und ist jetzt als "künstlerischer Leiter" unter anderem für Image, Verpackung und Design zuständig. Einen kongenialen Partner hat L'Occitane im Örtchen Fontvieille gefunden. Dort, genauer gesagt im Chateau d'Estoublon, produziert die Familie Schneider (Inhaber der Uhrenfirma Breitling) hochwertigen Wein und Olivenöl "Extra Vierge" (erste Kaltpressung, nicht raffiniert) mit der Ursprungsbezeichnung (A.O.C.) Vallée des Baux de Provence.

Olivenöl für Körper- und Haarpflegemitteln

Dieses Olivenöl (im Besonderen seine so genannten "unverseifbaren" Bestandteile wie Spurenelemente und Vitamine) bereichert nun bei L'Occitane eine ganze Palette an Körper- und Haarpflegemitteln: eine zusätzlich mit Vitamin E und Gelee Royal versetzte Körpermilch, eine Duschcreme mit leicht peelender Wirkung, die durch feine Olivenkernbestandteile zustande kommt, ein Bade-und Massageöl, ein sanftes Haarshampoo und - natürlich - der Klassiker Olivenölseife mit Olivenblattteilchen, die abgestorbene Hautschuppen entfernen. Da der feine Geruch des Olivenöls zwar auf dem Blattsalat sehr geschätzt wird, bei Kosmetika im Allgemeinen aber nicht so gut ankommt, enthalten alle Produkte zudem einen zehnprozentigen Anteil an Rosmarinöl, dazu kommen Duftnoten von Zitrone, Bergamotte, Orange und Zeder. Die Olivenöl-Serie ist in Österreich in den zwei hübschen L'Occitane-Geschäften in Graz und Wien erhältlich, außerdem im Fachhandel u.a. in Klagenfurt, Innsbruck und Linz.

Olivenanbaugebiet Griechenland

Aus einem weiteren traditionellen Olivenölland, aus Griechenland, kommt die Zutat für die "Mani Oliven Pflegeserie". Die Salzburger Naturkosmetik-Firma Marie Pieper stellt aus dem, von der österreichischen Familie Bläuel am Peloponnes produzierten, biologischen "Mani"-Olivenöl und Kräutern eine feine Pflegeserie mit Shampoo, Creme und Gesichtstonikum her. Alle Produkte sind frei von chemischen Konservierungsmitteln, Duft-oder Farbstoffen.

Nicht das Öl, sondern die Blätter des Olivenbaums hat Biotherm für eine neue Gesichtscreme erforscht. "Age Fitness" heißt das Produkt, es gibt zwei Varianten davon, eine für die trockene, eine für die normale bis Mischhaut. Das Olivenblatt, so die Ergebnisse aus den Labors, enthält in hoher Konzentration Wirkstoffe, im Besonderen Antioxidanten, die der Hautalterung entgegenwirken und zu einem strafferen, frischeren Teint verhelfen sollen. Gewonnen wird das Konzentrat mit einem biotechnologischen Verfahren. Die zermahlenen Blätter werden in reinem Wasser gelöst, dann die aktiven Moleküle isoliert, gefiltert und sterilisiert. Neben dem Olivenblattkonzentrat sind in der zartgrünen Creme auch beruhigend wirkende Thermalplankton-Extrakte enthalten.

Olivenöl von Kopf bis Fuß

Wer sich gar von Kopf bis Fuß mit Olivenöl verwöhnen lassen möchte, wird in Abano Terme im Veneto fündig. Die dortigen "GB Hotels" bieten ein sechstägiges Olivenöl-Wellness-Package: Von der Gesichtsmaske über die Ganzkörperlymphdrainagen bis zu den Haar- und Körperpackungen - alles geht mit Olivenöl. (Margit Wiener )

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