"Schnee auf dem Kilimandscharo" ... bald nur noch ein Märchen?

19. Februar 2001, 13:02

Wissenschaftler befürchten das Abschmelzen des Schneegipfels in den nächsten Jahrzehnten

San Francisco - Hemingways "Schnee auf dem Kilimandscharo" könnte künftigen Generationen wie ein Märchenbuch erscheinen: Die Eisfelder des Kilimandscharo, des höchsten Berges Afrikas, könnten nach Ansicht eines Wissenschaftlers von der Ohio State University schon innerhalb der nächsten 20 Jahre verschwunden sein. Seit 1912 sind bereits 82 Prozent des Eises geschmolzen, in den vergangenen zwei Jahrzehnten verschwanden 33 Prozent der permanenten Schnee- und Eisfelder. Bilder anderer tropischer Großberge zeichnen ein ähnliches Bild.

Lonnie Thompson, Wissenschaftler an der Ohio State University hat vom tansanischen Berg mehrere Luftaufnahmen hergestellt und mit kartographischen Aufzeichnungen der vergangenen hundert Jahre verglichen. Seine Ergebnisse präsentierte der Forscher beim jährlichen Meeting der American Association for the Advancement of Science, die derzeit in San Francisco stattfindet.

Der Forscher meinte auch, dass das Schmelzen der Schnee- und Eiskappen des Berges schlimme Auswirkungen auf die lokale Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft, der Energiegewinnung in großen Staudämmen und den Tourismus hätte. "Der Kilimandscharo ist Devisenbringer Nummer Eins in Tansania. 20.000 Touristen kommen jährlich hierher, um sich die schneebedeckten Gipfel des Berges südlich des Äquators anzusehen. Es gibt eine reelle Chance, dass die gesamte Schneeschicht bis 2015 verschwunden ist", so Thompson.

Thompson, der seit mehr als 20 Jahren tropische Eisfelder auf Gebirgsstöcken untersucht, berichtete auch vom Schrumpfen der Schneedecke auf peruanischen Andengipfeln, sowie vom Rückgang des Gletschereises am peruanischen Qori-Kalis, dem größten Inland-Eis Südamerikas. "Gletscher sind wie natürliche Dämme. Sie lagern den Schnee in feuchten Jahreszeiten, schmelzen in der zweiten Jahreshälfte und bringen damit Wasser in die Flüsse." Das Verschwinden der Gletscher und Eisschichten hätte fatale Folgen für die gesamte Umwelt. (pte)

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