SV Salzburg blamierte sich - Erster Sieg für Aufsteiger Bregenz

30. Juni 2000, 17:09

Wütende Fans belagerten Spielereingang in Lehen

Salzburg - Erste Punkte für SW Bregenz in der max.Bundesliga. Der Aufsteiger blamierte am Dienstag den SV Salzburg und kam dank eines Kontertores von Emanuel Akwuegbu (89.) zu einem durchaus verdienten 1:0-Auswärtserfolg. Die Salzburger Fans verabschiedeten die Gäste mit Beifall und hatten für ihr eigenes Team nur ein gellendes Pfeifkonzert übrig. "Fußball zum Abgewöhnen" meinte ein Beobachter zur Leistung der Salzburger, die zwar feldüberlegen waren, gegen die Abwehr der defensiv eingestellten Vorarlberger aber kein Rezept fanden. Dem Mittelfeld fehlten die Ideen, es gab viele Fehlpasses und kaum Chancen. Den ersten Schuss gaben die Hausherren erst in er 39. Minute ab (Winklhofer hoch über das Tor), da hätten die Bregenzer schon 2:0 führen können. Doch Salzburg-Keeper Safar rettete nach Kontern vor Friesenbichler (30./nach Rapp-Pass) und E. Akwuegbu (36./nach Hütter- Fehler freistehend).

Nach dem Wechsel hatte die Krankl-Elf zwar einige Chancen, die aber zum Teil stümperhaft (Koejoe-Kopfball/52.) vergeben wurden. Keeper Ott parierte zudem mit Fußabwehr vor Koejoe (56.) und war auch sonst fehlerlos. So wehrte er einen Unger-Schuss, den Promberger abgefälscht hatte (76.), mit Reflex ab. Seine Vorderleute ließen hingegen zunächst gute Konterchancen aus. Einmal rettete Winklhofer gegen E. Akwuegbu vor der Linie (62.), doch im Finish stellte der Nigerianer freistehend mit einem scharfen Zehn-Meter-Schuss die ersten Punkte für die Schwarz-Weißen sicher.

Wütende Fans belagerten Spielereingang in Lehen

Nach der blamablen 0:1-Heimniederlage gegen Aufsteiger SW Bregenz am Dienstag bekundeten die Fans massiv ihren Unmut.

"Arbeitsverweigerung!", war der Tenor der aufgebrachten Fans in Lehen, die die eigene Mannschaft mit gellendem Pfeifkonzert und die Gäste aus dem Ländle mit Standing-Ovations verabschiedeten. Rund 150 der Treuesten äußerten noch lange nach Schlusspfiff ihren Unmut, warfen mit Eiern und Bierbechern um sich. Selbst altgediente Anhänger, die nach dem Europacup-Höhenflug auch trotz Absturz zur Mannschaft gehalten hatten, konnten sich an so eine Demonstration nicht erinnern. "Zweite Liga, Salzburg ist dabei", skandierten jene, die noch einen langen Sturzflug befürchten.

Heimo Pfeifenberger war nach einer Leistung, die einer sportlichen Bankrotterklärung gleichkam, total verbittert. "Wir haben lauwarm gespielt, ohne Biss und mit überhaupt keiner Bereitschaft, in der Tabelle nach oben zu kommen. Es tut schon weh, wenn im eigenen Stadion der Gegner, allerdings verdientermaßen, bejubelt wird. Heute war eine meiner bittersten Stunden, seit ich in Salzburg Fußball spiele."

Spieler verließen Stadion unter Polizeischutz

Einige Spieler verließen nur mit Polizeischutz das Stadion, andere warteten bis Mitternacht ab, ehe sie die Heimreise antraten. Nur Klub-Präsident Rudolf Quehenberger stellte sich den Fans. "Da war schon sehr viel Aggressivität dabei, das verurteile ich. Allerdings war auch sachliche Kritik dabei, die angebracht war", erklärte Quehenberger und meinte resignierend: "Mir fehlen die Worte. Dieses Jahr können wir schon wieder mehr oder weniger abschreiben."

Trainer Hans Krankl war mit seinem Latein am Ende. "Fußball wird im Kopf entschieden, meine Spieler haben kein Selbstvertrauen mehr", meinte der frühere "Goleador", der in der Sommerpause Teamspieler Amerhauser an den GAK verlor und den rekonvaleszenten Torjäger Glieder seit Wochen schmerzlich vermisst. Krankl steht nun vor schweren Tagen. Am Samstag in Ried kann nur ein Sieg die Kritiker zumindest vorerst besänftigen.


SV Salzburg - SW Bregenz 0:1 (0:0). Lehen, 5.500, Falb.

Tor: 0:1 (89.) E. Akwuegbu

Salzburg: Safar - Szewczyk - Winklhofer, Pfeifenberger - F. Aigner, Aufhauser, Nikolic (52. Lipscei), Hütter, Pamminger (60. A. Korsos) - Koejoe (71. Promberger), Sabitzer

Bregenz: Ott - Hickersberger - Golemac, Mutapcic - Jani (85. Hilberger), Rapp, R. Kornexl, E. Akwuegbu, L. Unger - B. Friesenbichler (57. Tomic), Bleyer (78. Eisbacher)

Gelbe Karten: keine bzw. Bleyer

(APA)

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