Gutes altes Aspirin

19. Jänner 2001, 11:18

Menschen mit einem hohen Risiko für einen Herzinfarkt können die Gefahr um 44 Prozent senken.

London/Wien - Menschen mit einem hohen Risiko für einen Herzinfarkt oder gar den Tod durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung können sich durch die Einnahme von pro Tag 100 Milligramm des Aspirin-Wirkstoffes Acetylsalicylsäure (ASS) schützen. Die Gefährdung sinkt dann um bis zu 44 Prozent. Vitamin E hat hingegen in der medikamentösen Prophylaxe solcher Erkrankungen keinen echten Effekt. Das hat jetzt eine wissenschaftliche Studie aus Italien an 4.495 Testpersonen ergeben.

Derzeit erhalten schon fast alle Patienten nach einem ersten Herzinfarkt eine lebenslange ASS-Behandlung. Bei solchen Personen ist der schützende Effekt einer so genannten sekundären Infarktvorbeugung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt.

Doch seit Jahren wird diskutiert, ob auch bei Menschen, die noch keine Symptome einer Herzerkrankung aufweisen, ein solches Vorgehen mehr Positiva bringt als Negativa. Der Wirkstoff von Aspirin verhindert in niedriger Dosierung beim Menschen die Bildung von Blutgerinnseln, wie sie bei einem Herzinfarkt in den Herzkranzarterien auftreten.

Studie

Die Antwort auf diese Frage soll eine groß angelegte italienische Studie bringen, deren Ergebnisse in der Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" vom 13. Jänner veröffentlicht worden sind. Daran nahmen 4.495 Personen teil. Sie waren im Durchschnitt 64,4 Jahre alt. Bei den Probanden handelte es sich durchwegs um Personen die entweder einen oder mehrere folgender Gefahrenmomente für "Herzinfarkt&Co." aufwiesen: Bluthochdruck, zu hohe Blutfettwerte, Diabetes, Fettsucht, hohes Alter oder direkte Vorfahren, die frühzeitig an solchen Erkrankungen verstorben waren.

Das erste Ergebnis: Nach durchschnittlich 3,6 Jahren wurde die Studie abgebrochen, weil es ethisch nicht vertretbar war, einem Teil der Probanden kein tägliches Aspirin zu geben. Der Grund im Abbruch lag in den positiven Resultaten, die mit der Dauer-Arzneimittel-Prophylaxe erzielt worden waren:

- Jene Personen, die täglich 100 Milligramm ASS einnahmen, wiesen ein um 44 Prozent geringeres Risiko auf, an einer akuten Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben, als Menschen, die keine solche Prophylaxe betrieben hatten.

- Bei der Erkrankungsrate (akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen) wurde eine Verringerung der Gefahr um 23 Prozent registriert.

- Die Verwendung von Vitamin E hingegen bracht keinen Gewinn für die Menschen mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.

- Jene Personen, die regelmäßig ASS einnahmen, erlitten aber drei bis vier Mal häufiger schwere Blutungen als die Probanden ohne diese Herzinfarkt-Prophylaxe. (APA)

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    foto: methodisthealth.com
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