Ein Warner vor der Entindividualisierung - Karl Bednarik ist tot

16. Jänner 2001, 11:33

Maler, Schriftsteller, Essayist - Vielseitigkeit als Markenzeichen

Wien - Der Maler und Schriftsteller Karl Bednarik, der vergangenen Sonntag (14. Jänner) im Alter von 85 Jahren verstorben ist, hat in seinen Romanen und Essays in den fünfziger bis siebziger Jahren frühzeitig vor den soziologischen Folgen einer vollautomatisierten Arbeitswelt gewarnt. Parallel dazu machte er sich einen Namen in der bildenden Kunst.

Bednarik wurde am 18. Juli 1915 in Wien geboren. Er machte eine Buchdruckerlehre, wurde 1934 aber wegen politischer Aktivität entlassen. Im Krieg wurde er mehrmals eingezogen und war im antifaschistischen Widerstand tätig. 1945 studierte er zwei Semester an der Akademie für Bildende Kunst in Wien. Es folgte eine Reihe von Ausstellungsbeteiligungen und Personalausstellungen sowie Ankäufe u.a. durch die Stadt Wien und die Albertina. Dazwischen arbeitete Bednarik in verschiedenen Berufen, als Redakteur, Fotograf, Metallspritzer und Elektroschweisser.

Seine praktischen Erfahrungen in der Arbeitswelt verarbeitete er in soziologischen Essays und Romanen. So beschrieb er in "Der junge Arbeiter von heute - ein neuer Typ" (1953) kritisch Spezialistentum und neu entstehende Betriebseliten. Sein 1954 erschienener, ins Utopische transponierter Roman "Omega Fleischwolf" warnte in expressionistischem Sprachduktus vor der Entindividualisierung und Manipulation des Menschen bei fortschreitender Automation. Weitere Publikationen sind u.a. "Der Tugendfall" (1953), "Die Programmierer" (1965) und "Die Unheimliche Jugend" (1969). Zusätzlich veröffentlichte er kunst- und kulturtheoretische Beiträge in Zeitschriften.

Markenzeichen Vielseitigkeit

Von 1953 bis 1955 arbeitete Bednarik im Skript-Department des Senders Rot-Weiß-Rot und gestaltete in der Folge zahlreiche Radiosendungen. Ab 1957 verfasste er auch Drehbücher für das österreichische Fernsehen, vorwiegend über Themen der Bildenden Kunst und Literatur, u. a. über Fritz Wotruba, Adalbert Stifter, Egon Schiele, die Wiener Schule des Phantastischen Realismus und für die Serie "Schwarz auf Weiß: Abenteuer der Zeichenkunst". Von 1968 bis 1975 gab Bednarik die Reihe "Antworten" (Jugend & Volk) heraus, von 1975 bis 1980 leitete er die Galerie "Alte Schmiede" in Wien.

Zuletzt erschien 1997 im Eigenverlag der Familie und in einer "Handmade-Sonderauflage" von sieben Stück der autobiografisch geprägte Roman "Die Aplatas" über eine Arbeiterfamilie in Wien des Jahres 1927. Seine Autobiografie "W.I.W.", an der Bednarik in den letzten Jahren neben der Malerei arbeitete, blieb unvollendet.

Bednarik war u.a. Mitglied der Gemeinschaft der Bildenden Künstler, des P.E.N.-Club und der IG Autoren sowie Mitbegründer des "Neuen Hagenbundes". 1973 wurde er zum Professor ernannt, ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Theodor-Körner-Preis und 1980 mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien. (APA)

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