Portugal: Rund 700.000 Geisterwähler aufgetaucht

12. Jänner 2001, 12:43

Vor Präsidentenwahl am Sonntag

Lissabon - Unmittelbar vor den Präsidentenwahlen in Portugal am Sonntag sind bis zu 700.000 so genannte "Geisterwähler" aufgetaucht. Nach Presseberichten von Freitag wurden etwa eine halbe Million bereits verstorbene Portugiesen offiziell in den Wahllisten registriert. Hinzu kämen rund 200.000 Auswanderer, die immer noch in ihrer Heimat als Wähler gemeldet seien. So seien angeblich fast 7.000 der 8,7 Millionen Wahlberechtigten älter als 105 Jahre. Die Regierung in Lissabon wies die Zahlen als übertrieben zurück.

Die traditionell hohe Stimmenthaltung dürfte nach Schätzung von Experten bei der Wahl um rund zehn Prozentpunkte zunehmen. Es wird damit gerechnet, dass mindestens 40 Prozent der Wahlberechtigten sich nicht an der Abstimmung beteiligen werden. Einfluss auf das Ergebnis werde dies aber nicht haben. Allen Umfragen zufolge wird der sozialistische Präsident Jorge Sampaio (61) mit großer Mehrheit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt werden.

Kritiker sprachen dennoch von "Zuständen wie in einer Bananenrepublik". Erst vor drei Jahren waren eine halbe Million "Geisterwähler" aus den Listen gestrichen worden. Hinter den Fehlern in der Statistik stecke auch Absicht: Je größer die Bevölkerung, umso höher die Subventionen von der Europäischen Union und vom Staat für die einzelnen Regionen Portugals. (APA/dpa)

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