Neuer Telekom-Kollektivvertrag als Vorbild für andere Branchen

4. Dezember 2000, 13:47

1 Woche Fortbildung für jeden Mitarbeiter - Bereits Gespräche mit Telekom Austria über Adaptierung

Wien - Der neue Kollektivvertrag (KV) für die österreichischen alternativen Telekom-Unternehmen, der mit 1. Jänner 2001 in Kraft tritt, soll vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter für andere Branchen eine Vorbild sein, sagte der Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Hans Sallmutter, heute, Montag, bei einem Pressegespräch. Der Kollektivvertrag sei ein Beweis dafür, dass die Sozialpartnerschaft auch in neuen ökonomischen Strukturen wie der jungen Telekom-Branche funktioniere.

Im neuen KV wurde das herkömmliche Mindestgrundgehaltssystem zu einem Qualifikationssystem weiterentwickelt, das die in Österreich üblichen Biennalsprünge bzw. Jahresvorrückungen durch Qualifikationsstufen ersetzt. Mindestgehaltssteigerungen sind demnach künftig nicht von der Dauer der Betriebszugehörigkeit, sondern von der Vorrückung in Qualifikationsstufen (Grund-, Fach- und Expertenstufe) abhängig. Damit werde der Automatismus unterbrochen, dass ältere Arbeitnehmer bei gleichbleibender Arbeitsleistung für die Unternehmen zunehmend teurer werden, und das Senioritätsprinzip abgeschafft, sagte der Personaldirektor bei max.mobil, Erich Cibulka. Mit dem KV würden so erhöhte Einstiegsgehälter und eine Abflachung der Einkommenskurve möglich.

Anspruch auf eine Woche Aus- und Weiterbildung

Weiters wurde im neuen KV der Anspruch jedes Arbeitnehmers auf eine Woche Aus- und Weiterbildung pro Jahr verankert. Österreichische Unternehmen investierten 1999 im Schnitt 1,5 Prozent der Gehaltssumme in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter, die Telekom-Branche bringe dafür das Doppelte- bis Dreifache auf, sagte Cibulka.

Der Kollektivvertrag gilt für 5.000 Arbeitnehmer bei alternativen Festnetz- und Mobilfunkbetreibern, nicht aber für die rund 18.600 Mitarbeiter der Telekom Austria-Gruppe (Telekom Austria, Mobilkom, Datakom). Mit der Telekom Austria (TA) fänden derzeit bereits Gespräche zur Adaptierung des KVs statt, berichtete der stellvertretende Zentralsekretär der Gewerkschaft der Post und Fernmeldebediensteten (GPF), Gottfried Sommer. Angesichts der hohen Beamtenquote in der TA-Gruppe gelten die Kollektivverträge allerdings nur für knapp ein Drittel der TA-Beschäftigten, für den Großteil gilt das Beamtendienstrecht. (APA)

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