Gründungen in Wien

13. Februar 2002, 16:32
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Wien - "Die Gründungszahlen sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich angewachsen, die Überlebensquoten sind im Steigen begriffen", so der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Walter Nettig.

3.200 Neugründungen

Konkret wurden in Wien im Jahre 1995 knapp mehr als 3.200 Neugründungen registriert. Im vergangenen Jahr waren es allerdings bereits mehr als 5.340 Wienerinnen und Wiener, die den Schritt in die Selbständigkeit wagten. Gegenüber 1995 bedeutet dies einen Anstieg der Gründungstätigkeit in der Bundeshauptstadt um 67 %, für heuer wird eine Fortsetzung dieser dynamischen Entwicklung erwartet. Wien liegt damit bundesweit im Spitzenfeld. So wuchsen die Jungunternehmerzahlen zwischen 1995 und 1999 im gesamten Bundesgebiet von etwa 14.160 auf knapp 22.450, was einen etwas geringeren Zuwachs von 59 % bedeutet.

Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag in der österreichischen Selbständigenquote. Während diese 1995 bei 6,8 % lag, stieg der Anteil der Selbständigen bis 1999 auf 7,3 %. Für 2000 wird auf-grund der vorliegenden Daten mit einer Selbständigenquote von 7,4 % gerechnet. Die Entwick-lung in Wien folgt diesem Muster, wenngleich die Quote um 0,4%-Punkte höher angesetzt werden kann. 1999 betrug die Selbständigenquote 7,7 %, für das Jahr 2000 wird mit einer Selbständigenquote von 7,8 % gerechnet.

Überlebensquoten

"Damit hat Österreich zwar noch nicht zur Gänze an internationale Werte aufgeschlossen, entscheidend ist aber weniger die Zahl der Gründungen allein, als die Frage, ob diese auch tatsächlich langfristig am Markt überleben können", so Nettig. Eine aktuelle Untersuchung der Wirtschaftskammer Wien bescheinigt dem Wiener Unternehmernachwuchs in diesem Zusammenhang erfreuliche Erfolgschancen. Trotz des deutlichen Anstiegs an Gründerinnen und Gründern gehen die Überlebensquoten nicht zurück, sondern sind sogar eindeutig im Steigen begriffen. Waren 1995 etwa 61 Prozent der fünf Jahre davor gegründeten Betriebe noch aktiv, konnte jetzt eine Überlebensquote nach fünf Jahren von fast 67 Prozent festgestellt werden.

Die restlichen 33 Prozent der gegründeten Firmen wurden innerhalb von fünf Jahren gelöscht, was aber keineswegs ein wirtschaftliches Scheitern dieser Unternehmen bedeutet. So bewirkt etwa der erfolgreiche Verkauf einer Firma ebenfalls eine Löschung in der Statistik. Tatsächlich mussten nur 20 Prozent aller gelöschten Firmen Konkurs anmelden, das sind 6,6 Prozent aller gegründeten Unternehmen.

Schaffung von Arbeitsplätzen

"Wie wichtig es gesamtwirtschaftlich gesehen ist, junge Leute zum Unternehmertum zu motivieren, zeigt auch die hohe Zahl von Arbeitsplätzen, die durch Neugründungen geschaffen werden. Im Durchschnitt hat jedes Unternehmen, das 1995 gegründet wurde, bis Ende 1999 drei Arbeitsplätze geschaffen", erklärte Nettig.

Die mit Abstand meisten Gründungen erfolgen derzeit in der Sektion Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen mit über 58 %. An zweiter Stelle rangiert der Handel mit 22 Prozent, gefolgt vom Tourismus mit 11 Prozent. Im Bereich Verkehr werden sechs Prozent aller neuen Betriebe eröffnet, drei Prozent machen Industriebetriebe aus.

Die mit Abstand meisten Zuwächse der Selbständigen in Wien sind im produktionsnahen Dienstleistungsbereich zu verzeichnen. Nahezu 20% der Jungunternehmer entfallen auf die Unternehmensberatung und Informationstechnologie. Die Zahl der Gründungen in diesem Bereich hat sich seit 1995 verdreifacht. Auch die Erfolgsquoten sind hier mit 80 Prozent besonders hoch.

Generell geht das erfreuliche Wachstum zu einem sehr großen Teil auf die sogenannten "neuen Berufe", die Wirtschaftsdienstleister, zurück: Nettig: "Wien hat sich offensichtlich zum österreichischen und auch mitteleuropäischen Zentrum der Dienstleistungsbranche entwickelt." In der Werbewirtschaft, bei den Finanzdienstleistern, bei den Unternehmensberatern und Datenverarbeitern sowie in anderen Fachgruppen des technisch-elektronisch, serviceorientierten Bereiches verzeichnet die Wirtschaftskammer Wien in den letzten Jahren nicht nur einen enormen Zuwachs bei den Mitgliedsunternehmungen. Diese bieten auch einer wachsenden Zahl von interessierten und qualifizierten Personen sichere und vor allem zukunftsorientierte Arbeitsplätze. Waren in den genannten Branchen 1989 noch knapp 19.000 Personen beschäftigt, so sind es Ende 1999 bereits über 45.600 Mitarbeiter. Überdurchschnittlich viele Gründungen erfolgen weiters in den Bereichen Direktvertrieb, Außenhandel, Güterbeförderung und Kleintransporte, Gastronomie, Kaffeehäuser und Freizeitbetriebe.

Gründer-Service

Erste Anlaufstelle für potentielle Jungunternehmer. 1999 wurden über 30.000 Kundenanfragen serviciert. Etwa 10.800 Leitfäden für Betriebsgründer wurden gratis abgegeben. Rund 800 Personen nahmen an Gründerworkshops teil. Neben 750 persönlichen Gründungsberatungen (Terminvereinbarung: Umfang ca. 1 Stunde) wurden 2.350 persönliche Kurzberatungen durchgeführt. Der 9. Jungunternehmertag war mit 2000 Besuchern ein voller Erfolg. Der Jungunternehmertag ist bundesweit die größte Veranstaltung dieser Art, der nächste findet am 17. Mai 2001 statt.

Nachfolgerbörse

Die Nachfolgerbörse schlägt eine Brücke zwischen Unternehmern, die ihren Betrieb aufgeben wollen und potentiellen Neu-Übernehmern. Mehr als 1650 Übernahmen konnten bereits erfolgreich vermittelt werden. Derzeit hält die Nachfolgerbörse 450 Anbieter und 400 Interessenten in Evidenz.

One-Stop-Shop/Neugründungsförderungsgesetz (NEUFÖG)

Seit September 1999 hilft der One-Stop-Shop, Gründern die Gewerbeanmeldung rasch und unbürokratisch durchzuführen. Im Rahmen eines persönlichen Beratungsgespräches erhalten diese alle für die Gewerbeanmeldung erforderlichen Formulare ausgefüllt und unterschriftsreif. Für Neugründer im Sinne des NEUFÖG kommen diverse Gründungserleichterungen zum Tragen (Entfall der Eintragungsgebühr in die Wirtschaftskammer Wien, Entfall von Lohnnebenkosten im 1. Jahr etc.). Seit September 1999 wurden 7840 Beratungsgespräche im Rahmen des One-Stop-Shops inklusive NEUFÖG-Gespräche durchgeführt.

Unternehmerservice im WIFI-WIEN

Derzeit stehen im Expertenpool des WIFI Wien etwa 450 Konsulenten den Mitgliedern und Jungunternehmern zur Verfügung. Im Jahr 1999 wurden mehr als 2800 Beratungen durchgeführt, von denen etwa zwei Drittel auf Jungunternehmer entfielen. Das Angebot der Jungunternehmerberatung reicht vom vierstündigen Chancen-Check über die "Problemorientierte Jungunternehmerberatung" (max. 48 Beraterstunden) bis zum Jungunternehmer-Coaching (max. 80 Beraterstunden). Die Kosten werden zwischen 75 Prozent und 100 Prozent von der WKW getragen. (APA)

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