Haider: "Es kann auch Peter Westenthaler sein"

14. Juli 2008, 08:32
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Der Kärntner Landeshauptmann hält Westenthaler für einen geeigneten Spitzenkandidaten - selbst nach einer möglichen Verurteilung

STANDARD: Sie betonen immer die Eigenständigkeit des Kärntner BZÖ. Werden Sie sich trotzdem voll im Bundeswahlkampf einbringen?

Haider: Sicherlich. Als Gründer des BZÖ habe ich natürlich ein Interesse, dass das BZÖ in der jetzigen Situation, wo Rot und Schwarz die Wähler total enttäuscht haben, mit maximaler Kraft auftritt und ein bestmögliches Ergebnis erzielt.

STANDARD: Werden Sie das Bundes-BZÖ auch finanziell unterstützen?

Haider: Wir werden alles tun, was wir tun können, um den Erfolg zu gewährleisten. Das heißt natürlich auch mithelfen, dass wir die Finanzen sicherstellen, um eine gute Wahlbewegung zu führen.

STANDARD: Warum wollen Sie den Kärntner Landtag nicht im September gleich mitwählen? Man könnte so Kosten sparen.

Haider: Weil die Sozialisten zu feig sind. Ich habe es ihnen ja angeboten. Die ÖVP möchte, aber die Sozialisten trauen sich nicht. Die haben die Hosen voll.

STANDARD: Soll Peter Westenthaler Spitzenkandidat des BZÖ sein?

Haider: Er hat von uns am Donnerstag das Pouvoir bekommen, selbst zu entscheiden und ein Team für die Wahl zusammenzustellen.

STANDARD: Aber aus Ihrer Sicht kann es Westenthaler sein?

Haider: Es kann auch Peter Westenthaler sein. Man wird sehen, welche Überlegungen er anstellt.

STANDARD: Es läuft aber auch noch ein Prozess gegen Westenthaler wegen falscher Zeugenaussagen. Würde eine Verurteilung etwas ändern?

Haider: Also erstens glaube ich nicht, dass er verurteilt wird. Und zum Zweiten ist die Frage, ob dieser Prozess überhaupt vor der Wahl stattfindet.

STANDARD: Aber es wäre zumindest eine schlechte Optik. Man tritt für Recht und Ordnung ein und dann hat man möglicherweise einen vorbestraften Spitzenkandidaten.

Haider: Ich glaube, in Anbetracht einer derartig provokativen Negativbilanz der Koalition regt sich niemand wirklich auf, ob es irgendwo eine Diskussion über eine Rempelei gegeben hat. Da gibt es wichtigere Themen wie die Frage der massiven Teuerung. Das beschäftigt die Menschen wirklich.

STANDARD: Wird Westenthaler – wenn er antritt – auch in Kärnten plakatiert oder fahren Sie wie in der Vergangenheit eine eigene Linie?

Haider: Wir werden sicherlich einen sehr homogenen Wahlkampf führen und uns abstimmen bei Themen und Inhalten. Natürlich hat aber Kärnten immer eine etwas spezifische Rolle, weil hier das BZÖ regiert und zeigt wie es gehen kann. Wir werden zudem genauso unsere drei Musketiere, die bisher im Parlament waren, entsprechend in Position bringen. Das heißt Josef Bucher, Gernot Darman und Sigisbert Dolinschek.

STANDARD: Das heißt von den Plakaten werden eher diese drei Herren runterlachen als Westenthaler?

Haider: Nein, das ist damit nicht gesagt. Die Frage ist überhaupt, ob es ein Personen- oder Themenwahlkampf wird. Die Leute wollen ja nicht Köpfe haben, sondern Antworten. Wer die hat und wem man auch zutraut, sie nach der Wahl umzusetzen, der wird gewählt werden.

STANDARD: Was ist Ihr Thema?

Haider: Für mich ist klar, dass die Frage der Teuerung und der mangelnden Kaufkraft das Zentralthema ist. Alles andere ist aus der Sicht der Leute sekundär. Die Menschen haben Angst, dass sie das alles nicht mehr bewältigen können. Wir haben in Kärnten als einziges Bundesland ein Riesenmaßnahmenpaket verabschiedet – vom Teuerungsausgleich, zum Tankgeld, zu den Billigdieseltankstellen, bis zum Gratiskindergarten. Darauf werden wir hinweisen.

STANDARD: Wie lautet Ihr Wahlziel?

Haider: Mein Ziel ist, dass wir in Kärnten ein oder zwei Grundmandate machen, damit das BZÖ jedenfalls im Parlament vertreten ist.

STANDARD: Keine Angst, dass die FPÖ auch in Kärnten punkten können. Bundesweit liegen die Blauen in den Umfragen nicht schlecht.

Haider: So wie beim letzten Mal wird sich nichts daran ändern, dass wir das freiheitliche Wählerpotenzial in Kärnten überzeugend repräsentieren.

STANDARD: Daran kann auch Heinz-Christian Strache nichts ändern?

Haider: Er kann gern zum Wörthersee kommen und seine Parolen deponieren. Aber in Wirklichkeit ist niemand neugierig drauf.

STANDARD: Träumen Sie eigentlich immer noch von einer gemeinsamen Rechtspartei?

Haider: Eines kann ich garantieren: Einige werden vom BZÖ sehr überrascht sein. Die Wegbewegung von Rot und Schwarz ist jedenfalls groß. Das heißt, das ist vielleicht überhaupt der Beginn einer neuen Struktur der Parteienlandschaft. Man wird auch sehen, welche sonstigen Parteien sich noch durchsetzen. Da gibt es sehr viel Gemeinsamkeiten mit neuen Gruppierungen.

STANDARD: Sprich mit Fritz Dinkhauser?

Haider: Genau.

STANDARD: Mit ihm könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?

Haider: Ja, da habe ich überhaupt kein Problem. Man wird aber sehen, ob er den Einzug schafft. Wichtig ist, dass man entweder Rot oder Schwarz dazu bringt, unsere Forderungen – etwa Preisstopp beim Benzin – aufzugreifen. Wir vom BZÖ werden jedenfalls klar sagen, unter welchen Bedingungen wir an einer Regierung teilnehmen. Und Lösungen

STANDARD: Das könnte aber noch immer zu wenig sein. Da braucht man wahrscheinlich noch eine vierte Partei, um eine Mehrheit im Parlament zu haben.

Haider: Man wird sehen. Ich schätze aber, dass auch die Grünen klüger werden und keine Ausgrenzungspolitik mehr betreiben werden. (Günther Oswald/DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2008)

Zur Person
Jörg Haider (58) ist Kärntner Landeshauptmann und Gründer des BZÖ. Von 1986 bis 2000 war er Parteichef der FPÖ.
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    Jörg Haider fände auch an einem vorbestraften Spitzenkandidaten nichts auszusetzen

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