Im Stressbereich der leichten Muse

11. Juli 2008, 17:30
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Gespräch mit Bad-Ischl-Intendant Michael Lakner: Es ist nicht wenig, was der Herr, der sich in Bad Ischl um die Operette kümmert, hinter sich hat

Wien – Als Pianist hat er einst Harald Serafin begleitet, als Fernsehmoderator Talente präsentiert; er schauspielte in Houchang Allahyaris Film Borderline, steuerte da auch den Soundtrack bei. Dann: Betriebsdirektor der Oper Graz, Opernchef in Basel – zweimal war er auch mit im Spiel um die Intendanz der Wiener Volksoper. Schließlich, hätte er gewollt, wäre nun Dubai sein Wohnsitz. Ebendort plant man ein von Zaha Hadid zu errichtendes Opernhaus. Michael Lakner hätte dessen Intendant werden können.

"Ich wollte mich aber nicht in die Wüste schicken lassen! Im Ernst: Ich habe mir das ernsthaft überlegt, eine Woche lang hatte ich schlaflose Nächte. Drei Tage an diesem unglaublichen Ort haben dann aber meine Entscheidung gebracht. Vor zehn Jahren wäre ich wohl verrückt genug gewesen, das zu machen, aber jetzt ist es zu spät. Dort ständig zu leben – das würde ich nicht aushalten." Bad Ischl und das Lehár-Festival statt Dubai? Klingt vielleicht etwas seltsam. Aber beschaulich oder einfach ist das in Oberösterreich nun nicht. Vor ein paar Jahren ist Lakner dort angetreten, um ein "bisschen" was zu erneuern. Er brachte Raritäten, ließ auch etwas anspruchsvoller inszenieren und bekam bald "Problemchen" . Wiewohl die Presse schwärmte, wirkte das alles auf einen Teil des Publikums ein bisschen schockierend. "Wenn man neu ist und die Struktur nicht kennt, macht man Fehler. Ich hab’s etwas zu missionarisch angelegt, manches war dann ein Schlag ins Gesicht der Leute. Im Nachhinein kann ich sagen: Es hat Aufmerksamkeit gebracht, es gab musikalische Höchstleistungen. Nun versuche ich jedoch, die Balance zu halten. Wir spielen die Knüller, und es läuft hervorragend. Zwischen Jänner und April haben wir heuer schon 50.000 Euro mehr eingenommen als früher.

2007 kamen 17.300 Besucher – 20 Prozent mehr als davor. Das erreicht man mit historisch genauen, durchaus konventionellen Inszenierungen, denen man innovative, musicalhaft-trashige Sachen gegenüberstellt."

Lakner ist achtzig Prozent des Jahres vor Ort, kümmert sich um Marketing und ist Geschäftsführer, entscheidet also, "wo das Geld hinfließt" . Natürlich, mit einer Eigendeckung von 80 Prozent bei einem Budget von einer Million ist das eine Aufgabe, die vor allem der Sorgfalt bedarf. Große Stars kann man nicht holen. Umso größer dann die Freude, wenn zufällig jemand wie Dirigent Franz Welser-Möst im Publikum sitzt und eine Daniela Fally entdeckt, die nun an der Staatsoper Erfolge feiert. Das zeigt, dass Lakner ein Gespür für noch zu Entdeckendes hat. Dass man auch für die ganz Jungen etwas tut, gehört dazu. Im Rahmen der "Europerette" erschaffen 24 Jugendliche ein halbstündiges Musiktheater – und wer weiß, womöglich ist ein "Meister von morgen" dabei. Wenn nicht, dann ist er eben Publikum von morgen. Es braucht ja, Lakner erfuhr es, beides. (Ljubiša Tošic, ALBUM/DER STANDARD, 12.07/13.07.2008)

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  • Micheal Lakner: "Ich wollte mich nicht in die Wüste schicken lassen!"
    foto: tordik

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