Wirkmechanismus von Rapamycin in Wien beforscht

11. Juli 2008, 17:38
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Unterschiedliche Wirkungen auf mTORC1 und mTORC2

Wien - Sogenannte mTOR-Inhibitoren gehören derzeit zu den neuesten Arzneimitteln in der Behandlung von Karzinomen. Bei einer ganzen Bandbreite von solchen Erkrankungen - aber auch bei Morbus Alzheimer, Diabetes und bestimmten Herzleiden - ist die Funktion des Enzyms mTOR dereguliert. Substanzen wie Temsirolimus, Everolimus oder Rapamycin haben einerseits einen immunabwehr-schwächenden Effekt, andererseits bremsen sie das Zellwachstum. Den Wirkmechanismus von Rapamycin haben nun Margit Rosner und Markus Hengstschläger von der Medizinischen Genetik der MedUni Wien beforscht.

Die WissenschafterInnen veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Human Molecular Genetics". Hengstschläger: "Derzeit werden solche mTOR-Inhibitoren in rund 100 klinischen Studien bei verschiedenen Erkrankungen erprobt. Im Grunde sind alle diese Substanzen Abkömmlinge von Rapamycin."

Einsatz

Zugelassen sind bereits Everolimus und Temsirolimus in der Behandlung von Nierenzellkarzinomen. Everolimus und Rapamycin werden auch in der Transplantationsmedizin zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen eingesetzt. Das Enzym mTOR kann im Rahmen einer Fehlfunktion dazu führen, dass bösartige Zellen ständig ein Übermaß an Wachstumsfaktoren bilden, was deren Vermehrung und das Tumorwachstum antreibt.

Bereits bekannt war, dass mTOR ein Teil von zwei verschiedenen Komplexen in den Zellen ist: von mTORC1 und mTORC2. Die Wiener Wissenschafter zeigten mit ihren Experimenten im Labor, dass Rapamycin auf die beiden Varianten völlig unterschiedliche Wirkungen besitzt. Jedenfalls führt die Substanz zur Abspaltung von Phosphorgruppen und zur Lageveränderung von mTORC2 in den Zellen.

Optimierung

Hengstschläger: "Unsere Studien legen nahe, Marker zu definieren, die aussagen könnten, ob bei bestimmten Zellen mTOR-Inhibitoren wirken oder nicht. Das kann auch von der Dosis und der Dauer der Anwendung abhängen. Man könnte damit eine geplante Behandlung mit solchen Wirkstoffen optimieren." (APA)

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