Nach Protesten gegen Roma-Diskriminierung will Minister Fingerabdrücke aller Italiener

11. Juli 2008, 15:20
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Ignazio La Russa: "Auf diese Weise wird man uns nicht mehr des Rassismus bezichtigen können"

Rom - Nach den internationalen Protest gegen die in Italien geplante Datei für Roma hat der Verteidigungsminister Ignazio La Russa vorgeschlagen, doch schlicht und einfach allen Italienern die Fingerabdrücke zu nehmen. "Auf diese Weise wird man uns nicht mehr des Rassismus bezichtigen können", sagte der Verteidigungsminister im Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" am Freitag.

Ignazio La Russa, Spitzenpolitiker der Rechtspartei Alleanza Nazionale (AN), kritisierte die Resolution des Europaparlaments, in der die umstrittene Erfassung von Fingerabdrücken der im Land lebenden Roma als diskriminierend bezeichnet wird. Die Abnahme der Fingerabdrücke sei ein Weg, um die Identität der vielen minderjährigen Roma festzustellen, die in Italien in illegalen Behelfsiedlungen leben. "Das EU-Parlament nutzt das Thema Roma für politische Propaganda aus, ohne sich um das Schicksal der Roma-Kinder zu kümmern", meinte La Russa. Die italienische Regierung habe sich als Ziel genommen, viele Kinder zu retten, die jetzt von Bettlerbanden als Aklaven ausgenutzt werden.

Die Maßnahme der italienischen Regierung sei eine eindeutige Diskriminierung, erklärten die EU-Abgeordneten am Donnerstag. Es solle überprüft werden, ob das Vorgehen mit EU-Recht vereinbar sei. Italien hatte erklärt, die Erfassung der Fingerabdrücke sei zur Verbrechensbekämpfung notwendig.

Die italienische Regierung protestierte vehement gegen die Resolution des Europaparlaments. Innenminister Roberto Maroni berichtete, dass Italien "aus rein humanitären Gründen" eine Zählung der in illegalen Barackensiedlungen lebenden Menschen begonnen habe. Diese Camps, in denen die Lebensbedingungen unannehmbar seien, seien in den letzten Jahren unerlaubt an der Peripherie von Rom, Mailand und Neapel entstanden. Mit dieser Initiative wolle man die Identität der vielen Menschen ergründen, die illegal, ohne medizinische Betreuung und ohne Rechte in den Camps leben. Die Regierung wolle keineswegs eine Zählung der Roma auf ethnischer Basis durchführen, sondern illegale Barackensiedlungen abbauen, erklärte Maroni. (APA)

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