Dinkhausers Liste kann mit sechs Prozent rechnen

15. Juli 2008, 09:14
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Fritz Dinkhauser zieht durch ganz Österreich und vernetzt sich mit potenziellen Mitstreitern - Meinungsforscher geben ihm gute Chancen auf eine erfolgreiche Kandidatur

Ein bisschen hat man das Gefühl, dass dem Fritz Dinkhauser die Angelegenheit etwas enteilt. Eine solche Eigendynamik hat seine Aussage, eine Kandidatur bei der Nationalratswahl zu überlegen, entwickelt. Also hält er im Gespräch mit dem Standard gleich einmal fest: "Ich bin nicht der Rufer, sondern der Gerufene." Gerufen haben in diesem Fall Manfred Kölly, der Bürgermeister von Deutschkreutz, und Wolfgang Rauter, der frühere FPÖ-Chef des Burgenlandes. Ihre "Freie Bürgerliste" wird, das wurde gestern in Eisenstadt fixiert, auf die Dinkhauser-Plattform namens "Bürgerforum Österreich" aufspringen.

Dieses Bürgerforum kann nun im östlichsten Bundesland zwei respektable politische Köpfe präsentieren. "Morgen" , sagt Dinkhauser, "bin ich in Oberösterreich. Aber Anfragen zum Mitmachen gibt es auch aus den anderen Bundesländern."

Unterstützung der Bauern

In Oberösterreich steht dem Vernehmen nach ein Gespräch mit dem Sprecher der IG Fleisch, Leo Steinbichler, an. Ob dieser Bauernbund-Rebell sich ein Zusammengehen mit Dinkhauser vorstellen kann? Steinbichler zum Standard: "Ich kann mir sehr viel vorstellen. Wenn man an die Stammtische geht und mit den Leuten redet, dann hört man doch überall, dass sie nach neuen Möglichkeiten suchen." Die Frustration über unnötig aufgeblähte Bürokratie wäre Steinbichlers Hauptthema: Diese spürten nicht nur die Bauern, sondern auch Wirte und Gewerbetreibende – "und wenn man privat mit den Beamten redet, sagen die doch selber: Das ist ein Wahnsinn!"

Steinbichler repräsentiert jenen Funktionärstypus, der Dinkhausers Bewegung erfolgreich machen könnte. "Es gibt in allen Parteien Unzufriedene, die viel politische Erfahrung und auch einen gewissen Namen haben" , sagt Werner Beutelmeyer vom Linzer market-Institut. Steinbichler ist ein gestandener Bauernbündler, der zuletzt Obmann der Landwirtschaftskammer in Vöcklabruck war.

Weil er aber auch Funktionär der IG Milch und Gründer der IG Fleisch – zweier Bauerngemeinschaften, die für höhere Erzeugerpreise eintreten – ist, hat ihn der Bauernbund ausgeschlossen. Daraufhin trat Steinbichler dem ÖVP-Wirtschaftsbund bei. Doch er bringt aus dem Bauernbund Organisationserfahrung mit – ohne die Organisationskraft des Bauernbundes wäre auch die ÖVP längst nicht so erfolgreich.

Zielgruppe Mittelstand

Dinkhauser weiß das aus Tirol. Er selbst gibt sich jetzt vier Wochen Zeit, die nun offenbar ins Selbstlaufen gekommene Sache reifen zu lassen. "Man neigt ja dazu, die Dinge emotional zu entscheiden. Aber ich will das pragmatisch tun und mich auch nicht übernehmen. Ich bin ja bei der Tiroler Landtagswahl auch ein persönliches finanzielles Risiko eingegangen." Außerdem sei er den Tirolern im Wort. Das müsse geklärt werden. Ob er im Fall des Falles nach Wien ginge, " muss ich mit den Tirolern hinterfragen" . Wenn er das sagt, klingt das sehr nach einem Spitzenkandidaten Dinkhauser.

Sora-Meinungsforscherin Eva Zeglovits zeigt sich im derStandard.at-Chat skeptisch, was Dinkhausers Chancen betrifft: "Er wurde erst vor wenigen Wochen gewählt, um in Tirol Politik zu machen. Ich halte es für riskant, dass er nun sofort in die Bundespolitik will. Das könnten ihm die Wähler-Innen in Tirol übel nehmen."

Dinkhauser bleibt zuversichtlich: "Der Mittelstand ist tot. Pflege, Gesundheit – nirgends geht etwas weiter. Dieser Zustand ist nicht mehr haltbar." Eine mögliche Therapie hätte er: "Eine Dreierkoalition mit einer reformierten ÖVP, den Grünen und uns."

Auch der burgenländische Mitstreiter Manfred Kölly betont diese Zielsetzung: "Wir wollen mitregieren, denn so geht’s ja nicht weiter." Der frühere FP-Klubchef im burgenländischen Landtag, der wegen eines Personaldeals mit der SPÖ aus der Partei ausgeschlossen wurde, was 2007 zur Spaltung der pannonischen Blauen geführt hat, unterstreicht vor allem die ideelle Breite der Dinkhauser-Plattform. "Uns geht’s darum, Lösungen für die anstehenden Probleme zu suchen und zu finden."

Fritz Dinkhauser, sich selbst um gut vier Wochen vorgreifend: "Die Menschen haben Angst vor einer Radikalisierung, wie die FPÖ sie betreibt. Aber auch die Grünen haben ihren Glanz verloren. Wir sind sozusagen die beste Alternative zum Nichtwählen."

Apropos Nichtwählen: Wenn tatsächlich neue Gruppen antreten, könnte die zuletzt auf 78,49 Prozent gesunkene Wahlbeteiligung wieder steigen – laut einer OGM-Umfrage im Format auf 82 Prozent. So viele Befragte geben an, sicher wählen gehen zu wollen.

Beutelmeyer bestätigt: In Tirol habe Dinkhauser gezeigt, dass er frustrierte ehemalige Nichtwähler wieder an die Urnen bringen kann. Eine unveröffentlichte market-Umfrage ergibt, dass österreichweit sechs Prozent der Befragten "ganz sicher" Dinkhauser wählen würden. Beutelmeyer: "Das ist zwar nicht mit der gleichen Methode wie dieSonntagsfrage erhoben, deutet aber stark darauf hin, dass die Vier-Prozent-Hürde übersprungen werden kann."

Auch andere Gruppen, die mit bekannten Namen antreten, hätten noch Chancen: "Beim BZÖwirkt immer noch der Name Jörg Haider, das darf man nicht unterschätzen. Und wenn das Liberale Forum Heide Schmidt reaktiviert, könnte es auch wieder relevant werden. Denn bei Protestbewegungen schaut man nicht so genau auf die Inhalte, sondern auf die Personen, die mit den Inhalten gleichgesetzt werden können." (von Wolfgang Weisgram und Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 11.7.2008)

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    Fritz Dinkhauser greift nach einem Sitz im Nationalrat

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