Kanzlerbonus

9. April 2008, 19:00
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Es gibt gute Gründe, Alfred Gusenbauer als Kanzler zu schätzen. Zumindest für Hundebesitzer

Es war am Mittwoch. Da erklärte der Mann mit dem kleinen Hirtenhund, dass Alfred Gusenbauer so der Erlöser sei. Oder zumindest eine Lebensversicherung. Denn solange Alfred Gusenbauer Kanzler sei, erklärte der Mann mit dem kleinen Hirtenhund, drohe weder Harm, noch Ärger, noch Mühsal – und schon gar keine Verlegung der Hundezone im Prater.

Und das, erklärte der Mann mit dem kleinen Hirtenhund, sage er laut und bewusst – obwohl er kein Wähler der Kanzlerpartei sei. Neinneinnein, ganz und gar nicht. Obwohl: sollten Wahlen komme, würde er überlegen. Aber eben nur dann, wenn Gusenbauer als Bundeskanzler kandidiere.

Verdauungsgespräch

Wir latschten neben dem Mann mit dem kleinen Hirtenhund dahin und waren froh, etwas anderes zu hören, als die üblichen Geschichten über Hunde-Wehwechen und Hunde-Befindlichkeiten: Ich weiß mittlerweile über die Verdauungs-, Balz- und Schlafgewohnheiten von unzähligen Hunden detailreich Bescheid – aber nichts über die Halter, die einander da ständig von ihren Hunden erzählen. Doch zurück zu Alfred Gusenbauer, dem Retter der Hundezone.

In der Praterhundezone herrschte nämlich Aufruhr: Das Areal, hatte der Bezirksvorsteher (angeblich) irgendwo verlauten lassen, solle nach der EURO verkleinert und/oder verlegt werden. Unter anderem, weil zwar kein Radweg durch die Auslaufzone führt –Radfahrer das einschlägige Verbotsschild hier aber etwa so konsequent ignorieren, wie 90 Prozent der Hundebesitzer die Gackieinsammelverpflichtung.

Gewohnerheitsrecht

Und weil der Wiener weiß, dass beständiges Fehlverhalten in dieser Stadt mitnichten sanktioniert, sondern irgendwann zum Gewohnheitsrecht erklärt wird, dem sich dann auch andere fügen müssen, war die Ankündigung eigentlich nicht überraschend. Auch die zweite Erklärung – nämlich dass viele Jogger und Spaziergeher mit Hundeangst hier durch kämen seit ein Stadtwanderweg durch die Auslaufzone umgeleitet wodren ist – klang nach dieser Logik zwingend.

Einzig die Hundebesitzer fanden das nicht wirklich sexy. So viele Ecken, in denen Hunde tatsächlich weiter als 50 Meter rennen können, gibt es schließlich in Wien auch nicht. Und die Zone just dann, wenn die U-Bahn halbwegs hinführt, zu verlegen, rief echten Unmut hervor. Und weckte deshalb auch die Kreativität mancher Hundehalter.

Kanzlerwochenende

Und so, erklärte der Mann mit dem kleinen Hirtenhund, sei er eben auf Gusenbauer gekommen. Weil, erzählte der Hundehalter, der Kanzler doch jeden Sonntag hier jogge. Mitten durch die Hundezone. Mit einer Frau, die der Mann mit dem Hirtenhund als seine Personenschützerin identifiziert zu haben glaubte. Und von der er, wiederholte er eins ums andere mal, sich selbst „mit dem allergrößten Vergnügen intensiv schützen lassen würde.“ Wir verdrehten die Augen – aber das war dem Hirtenhundmann egal.

Gusenbauers Route, erklärte der Mann, sei jedenfalls für ein Geschenk des Himmels. Schließlich habe man vom Kanzler nicht einmal in der Krone bisher ein Bekenntnis zum Hund finden können. Und das, so der Hundemann, lege die Vermutung nahe, dass Gusenbauer Hunde nicht möge. Oder Angst vor ihnen habe. Was also, so der hundehaltende Taktiker, läge näher, als im Falle der Zonenverlegung öffentlich zu unterstellen, dass dies auf Drängen des Kanzlers geschähe? Weil er, der Kanzler, vor Hunden Schiss habe.

Der Mann mit dem kleinen Hirtenhund strahlte: Er gehe davon aus, sagte er, dass Kanzlers Berater diese Geschichte in keiner Zeitung gerne sähen. Schon gar nicht in der des großen Hundestreichlers. Der, das wüssten wir ja, kenne in solchen Fragen nämlich kein Erbarmen. Und deswegen, triumphierte der Mann mit dem kleinen Hirtenhund, sei er sicher, dass alles so bleiben wird wie es ist – solange Alfred Gusenbauer Kanzler ist. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 7. Juli 2008)

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