Kommission: US-Luftangriffe töteten 64 Zivilisten

11. Juli 2008, 18:58
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Vor allem Frauen und Kinder unter den Opfern - Armee hatte behauptet, auf flüchtende Rebellen geschossen zu haben

Jalalabad - In Afghanistan hat erneut der Tod von zahlreichen Zivilisten bei Luftangriffen US-geführter Truppen für Empörung gesorgt. Wie Untersuchungskommissionen der afghanischen Regierung am Freitag mitteilten, kamen bei zwei Luftangriffen im Grenzgebiet zu Pakistan am vergangenen Freitag und Sonntag mindestens 64 Zivilisten ums Leben, unter ihnen viele Frauen und Kinder.

Präsident Hamid Karzai hatte die Untersuchung der Luftangriffe angeordnet, nachdem örtliche Behörden sich über zivile Opfer beklagt hatten. Die US-geführten Streitkräfte wiesen die Vorwürfe bisher zurück und kündigten eigene Untersuchungen an.

Gäste einer Hochzeitsgesellschaft

Bei dem Luftangriff am vergangenen Sonntag im abgelegenen Bezirk Deh Bala in der Provinz Nangarhar starben 47 Gäste einer Hochzeitsgesellschaft, wie Kommissionsleiter Burhanullah Shinwari mitteilte. Neun weitere Menschen seien verletzt worden. "Die Opfer waren alle Zivilisten und hatten keinerlei Verbindung zu den Taliban oder Al-Kaida", sagte Shinwari.

Nach Angaben eines weiteren Kommissionsmitglieds, Mohammed Asif Shinwari, waren lediglich drei Männer unter den Todesopfern des Angriffs vom 6. Juli. Der Rest seien Frauen und Kinder gewesen. Die Hochzeitsgäste hätten die Braut in der Bergregion nahe der pakistanischen Grenze begleitet, als der Angriff erfolgte, sagte Shinwari weiter. Zehn Menschen werden den Angaben zufolge noch vermisst.

17 Zivilisten in Nuristan getötet

Bei der Untersuchung eines US-Luftangriffs vom Freitag vergangener Woche kam eine Kommission zu dem Ergebnis, dass 17 Zivilisten in der Provinz Nuristan getötet worden seien. Kommissionsleiter General Mohammad Amin sagte, neun weitere Zivilisten seien verletzt worden. Amin warnte, dass der Rückhalt der internationalen Truppen und Regierungseinheiten, die in der Region gegen Aufständische kämpfen, durch die zivilen Opfer weiter schwinden werde.

Die US-geführte Koalition verwies auf die eigenen Untersuchungen, deren Ergebnisse noch ausstünden. "Jeder Verlust zivilen Lebens ist tragisch", sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. "Wir nehmen Zivilisten niemals ins Visier und tun unser Bestes, zivile Verluste zu vermeiden."

Die derzeit rund 70.000 ausländischen Soldaten in Afghanistan sind in der Vergangenheit bereits häufiger wegen ziviler Opfer bei den Kämpfen gegen Aufständische in die Kritik geraten. Seit Anfang 2008 kamen bereits rund 700 Zivilisten im Land ums Leben. 255 von ihnen starben durch die internationalen Streitkräfte, wie der UN-Koordinator für Hilfseinsätze, John Holmes, sagte. (APA/dpa)

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