Regierung veröffentlicht Video der Geiselbefreiung

5. Juli 2008, 13:20
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General Mario Montoya: Aufnahmen wurden von als Journalisten verkleideten Soldaten erstellt, um Guerilla zu täuschen

Bogotá - Nachdem Zweifel an der offiziellen Version der Befreiung der Politikerin Ingrid Betancourt aus der Gewalt der FARC-Rebellen laut wurden, reagierte das kolumbianische Militär und veröffentlichte doch noch Videoaufnahmen der Kommandoaktion.

General Mario Montoya zeigte am Freitag eine aufzeichnung, die von der Aktion "Jaque" (Schach) stammen soll. Der öffentlich-rechtliche Schweizer Radiosender RSR hatte kritisiert, dass solch spektakuläre Kommandounternehmen normalerweise dokumentiert werden. Aus dem Fehlen von Videoaufzeichnungen hatten die Schweizer geschlossen, dass die Geiseln gegen Lösegeldzahlung freigelassen worden seien. Warum das spektakuläre Video erst zwei Tage nach dem Militäreinsatz veröffentlicht wurde, begründete General Montoya nicht.

Das Video stammt laut Zeitstempel vom vergangenen Mittwoch, als sich Soldaten nach offizieller Darstellung als Mitglieder einer regierungsunabhängigen Organisation sowie als Rebellen ausgegeben hatten und Betancourt und 14 weitere FARC- Geiseln, darunter auch drei amerikanische Söldner, in einem Hubschrauber abtransportiert wurden.


Quelle: YouTube

Die Aufnahmen sollen von einem Kamerateam angefertigt worden sein, das aus Mitgliedern der kolumbianischen Sicherheitsdienste zusammengesetzt gewesen sei, die sich als Journalisten ausgegeben hätten, sagt Montoya weiter. "Wir haben die Zeit des Wartens genutzt, um (durch die falschen Journalisten) das Vertrauen der Rebellen" zu gewinnen, sagte der General.

Minister nennt Details

Verteidigungsminister Juan Manuel Santos berichtete am Freitag, die Operation sei minutiös vorbereitet worden: Die Soldaten hätten Sprachunterricht erhalten und schließlich mit italienischem, arabischem, spanisch-karibischem oder australischem Akzent gesprochen, "wie Crocodile Dundee", sagte er.

"Bei den letzten beiden Geiselübergaben war immer ein Kameramann von Chavez dabei", erklärte der Minister weiter. Dieser vermeintliche Kameramann trug sogar das gleiche rote T-Shirt, während er einem Kämpfer Fragen stellte.

Santos erklärte, ein US-Aufklärungsflugzeug habe die Operation aus der Luft beobachtet. Nach US-Angaben waren die Hubschrauber russischer Bauart auch mit einem Sender und Mikrofonen ausgerüstet, um den Ablauf der Aktion überwachen zu können.

Die Täuschung der Rebellen durch falsche Mitglieder einer regierungsunabhängigen Organisation und falsche Journalisten dürfte künftige Freilassungsaktionen extrem erschweren, weil dabei bisher fast immer unabhängige Organisationen und auch Journalisten als Sicherheitsgarantie für die Rebellen teilgenommen haben. Für die unabhängigen Organisationen und für Journalisten dürfte es künftig noch gefährlicher werden, in Kolumbien zu arbeiten. (red/APA/dpa)

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