AVG: Anti-Virus-Software überflutet das Internet mit falschen Anfragen

14. Juli 2008, 10:20
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Linkscanner ruft ungefragt Such- maschinenergebnisse auf - Gibt sich als Internet Explorer 6 aus - Seiten sehen dadurch erheblichen Zusatz-Traffic

Nicht jede Idee, die in der Planungsphase einer Software besonders innovativ klingt, stößt dann in der Realität auch tatsächlich auf ungeteilte Begeisterung bei den ComputernutzerInnen. Einer Erkenntnis, der sich nun auch der Softwarehersteller AVG stellen muss.

Ärger

Denn eine neue Funktion in dessen Anti-Viren-Software sorgt nun seit Wochen für Verärgerung in der Online-Community. Begonnen hatte alles damit, dass die englische IT-Seite "The Register" im Mai eine ungewöhnliche Zunahme an Traffic auf die eigene Internetpräsenz registrierte. Weitere Recherchen offenbarten dann, das "The Register" bei weitem nicht die einzige Seite ist, bei der sich dieses Phänomen zeigt. Andere Webseiten wie Wikipedia Watch stellten gar eine Verzehnfachung des Traffics fest.

AVG 8

Ausgelöst wurden dieses Zugriffe auf den ersten Blick durch eine wundersame Vermehrung von Internet Explorer 6-BenutzerInnen, der reale Urheber ist freilich ein anderer: Eine mit AVG 8 automatisch installierte Software namens LinkScanner ruft ohne weiteres Zutun der BenutzerInnen alle bei einer Suche aufgelisteten Ergebnisse im Hintergrund auf. Um nicht weiter aufzufallen, gibt sich die Software, die laut Hersteller bereits von mehr als 20 Millionen BenutzerInnen eingesetzt wird, als IE6 aus.

Speziell

Wie stark sich dieses Verhalten auf die Zugriffszahlen einer Seite auswirkt, hängt dabei von unterschiedlichsten Faktoren ab. Die Größe der Seite und deren Platzierung in Suchmaschinen spielen hierbei etwa eine erhebliche Rolle.

Slashdot

Aber selbst zugriffsstarke Webseiten können einen spürbaren Effekt durch den LinkScanner ausmachen: So berichtet etwa das IT-Portal Slashdot davon, dass aktuell bereits 6 Prozent des gesamten Traffics auf die eigene Seite durch Anfragen der Anti-Viren-Software verursacht werden.

Traffic

Eine Vorgangsweise, die nicht nur zu einer Verfälschung der BenutzerInnenzahlen führt, gerade BetreiberInnen von kleineren Seiten zeigen sich auch über den Extra-Traffic wenig erfreut. Immerhin haben viele davon Traffic-Beschränkungen - und müssen für jede Überschreitung extra zahlen. Da sind Anfragen wie von LinkScanner, die ja nie ein realer Mensch zu Gesicht bekommt, ein einziges Ärgernis.

Schutz?

Bei AVG sieht man die Problematik freilich von einer ganz anderen Seite: Um die BenutzerInnen effektiv vor Schädlingen schützen zu können, müsse man die Seiten schon scannen, bevor diese überhaupt angesurft werden, diese Aufgabe übernehme nun eben der LinkScanner.

Ausgetrickst

Doch auch wenn sich die Software als IE6 tarnt, so haben findige Webseiten-AdministratorInnen mittlerweile einen Weg herausgefunden, eine klare Unterscheidung zu einer realen Ausgabe des Microsoft Browsers treffen zu können. Denn der LinkScanner lässt den "Accept-Encoding"-Eintrag im Header aus, der definiert, welche Kompressions-Methoden der Browser verträgt. Mit diesem Wissen ausgestattet, haben einige Seiten damit begonnen die LinkScanner-Zugriffe zu blockieren - oder gleich auf die Seiten von AVG selbst umzuleiten.

Fehlender Schutz

Womit sich allerdings eine andere Problematik stellt: Können normale Webpages diese Unterscheidung treffen, so ist dies natürlich auch auf mit Malware verseuchten Seiten möglich. Womit der Schutzfaktor des LinkScanner dann allerdings langsam gegen Null tendieren würde... (red)

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    Über ein vorzeitiges Aufrufen der Seite will LinkScanner vor gefährlichen Seiten warnen - und verärgert dabei Webseiten-BetreiberInnen

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