Ring-Bim: Das Ende des Kreisverkehrs

3. Juli 2008, 13:16
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Wiener Straßenbahnen im Wandel: Linien 1 und 2 fahren ab 26. Oktober auch in die äußeren Bezirke - Grüne kritisieren die Auflassung der 21er-Linie und fordern "Öko-Tarif"

Wien – Die Ring-Rund-Linien sind ab dem Nationalfeiertag Geschichte. Per 26. Oktober wird das Ringelspiel der Straßenbahnlinien 1 und 2 aufgebrochen – und sie werden zu "Stichlinien" wie der D-Wagen.

"Damit entfallen die lästigen_Stehzeiten am Ring“, erläuterte Wiener-Linien-Geschäftsführer Michael Lichtenegger bei der Präsentation am Mittwoch. „Die Fahrgäste müssen weniger umsteigen und es wird direkte Verbindungen in alle Stadtteile und mit allen vier U-Bahnlinien geben." Auch die aus der Monarchie stammenden Buchstaben-Bezeichnungen von Linien – wie D, J oder N – werden verschwinden. Die Neuerungen im Detail:

Linie 1 Der 1-er startet ab 26. Oktober am Stefan-Fadinger-Platz (Spinnerin am Kreuz), fährt dann auf der Trasse der bisherigen Linie 65 zum Ring, kreist dort weiter bis zur Urania und ersetzt dann die Linie N bis zur Prater Hauptallee.

Linie 2 Der 2-er fährt ab 26. Oktober ab Ottakring auf der bisherigen Trasse der Linie J in Richtung Innenstadt. Nach dem Ring geht es dann weiter auf der bisherigen Linie N in die Brigittenau zum Friedrich-Engels-Platz.

Linie 3 Die wird erst im Laufe des Jahres 2009 eingeführt – sie ersetzt die bisherige Linie D.

Linie 4 Die kommt ebenfalls erst 2009: Der 4-er startet beim Zentralfriedhof, ersetzt die derzeitige Linie 71 – wird dann aber ab dem Schwarzenbergplatz über den Ring weiter bis zur Börse geführt.

Diese Systemumstellung spare am Ring fünf Minuten Fahrzeit, sagt Lichtenegger. Die Betriebszeiten aller Linien werden nicht nur eingehalten – die des alten J und neuen 2-ers werde sogar um eine Stunde verlängert. Mögliche Einsparungen (wie durch den Wegfall von Stehzeiten) würden für Intervallverdichtungen genützt.

"Das ist ein Wendepunkt in der Stadtverkehrspolitik", erklärte der Verkehrsexperte Helmut Knoflacher als Vorsitzender des Fahrgastbeirates. Die Umsetzung dieser Forderung des Beirates sei sogar "ein enormes Signal für die Welt". Auch seitens des Tourismusverbandes wurde das Konzept positiv aufgenommen – schließlich erschließt der 1-er die wichtigsten Attraktionen am Ring und das Hundertwasserhaus. Gleichzeitig könnte das Motto aber auch "Zurück in die Vergangenheit" heißen. Denn die Durchgangslinien folgen nun wieder dem historischen Konzept des Wiener Bim-Netzes.

Grüne: Kurzsichtige Verkehrspolitik

Die Wiener Grünen haben am Donnerstag die Schienen der Straßenbahnlinie 21 in der Leopoldstadt mittels pedalbetriebener Draisine befahren, um gegen deren Einstellung zu protestieren. Die Linie 21 sei Opfer im Kampf U-Bahn gegen Straßenbahn, was Nachteile für die Anrainer bringe.

In einer improvisierten Pressekonferenz setzte es vor allem Kritik an der "kurzsichtigen Verkehrspolitik" von Wiener Linien und SPÖ. Eine Anrainerbefragung sei gemeinsam mit der ÖVP gekippt worden. Maresch: "Das zeigt, wie die SPÖ mit Anrainerwünschen umgeht. Sie pfeift darauf."

Öko-Tarif

Die Grünen fordern einen neuen, günstigen "Öko-Tarif" von einem Euro pro Fahrt sowie weitere der am Vortag von den Wiener Linien angekündigten Straßenbahn-Durchgangslinien für Wien.

Die Wiener Freiheitlichen haben am Donnerstag per Aussendung das neue Straßenbahnkonzept der Wiener Linien begrüßt. Planungssprecher Herbert Madejski sah darin eine Vorleistung für die von der FPÖ lange geforderte U-Bahn-Linie U5. Entscheidend sei, dass der Westen mit dem Nordosten und - nach einmaligem Umsteigen - auch mit dem Süden der Stadt verbunden werde. (APA/frei/DER STANDARD - Printausgabe, 3. Juli 2008)

  • Viele Anrainer sind über die Auflassung der 21er-Linie verärgert.
    foto: dre standard/heribert corn

    Viele Anrainer sind über die Auflassung der 21er-Linie verärgert.

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