Absichern gegen Preisschwankungen

1. Juli 2008, 13:47
1 Posting

Das Wifo rät den Bauern, sich über die Börse gegen Preis­schwankungen abzusichern, kleinere Landwirte sollten sich zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen

Wien - Besondere Managementqualitäten und Börsekenntnisse werden den heimischen Bauern abverlangt: Zur Absicherung gegen die zuletzt sehr volatilen Erzeugerpreise sollen Landwirte künftig Rohstoff-Kontrakte an der Pariser Warenterminbörse Matif handeln. Dazu raten die Landwirtschaftskammer und das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Rentieren würde sich das freilich nur für größere Mengen, kleinere Betriebe sollten sich zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Trotz der zuletzt gestiegenen Erzeugerpreise wird nämlich die Ertragssituation bei den Bauern immer enger. "2008 dürfte für die heimische Landwirtschaft eine geringere Wertschöpfung bringen als 2007", sagte der Agrarexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Franz Sinabell, bei der Präsentation einer Studie, die die Landwirtschaftskammer (LK) Österreich in Auftrag gegeben hatte. Der Grund: die Kostenbelastung durch höhere Preise für Energie, Futtermittel und Dünger.

Das Jahr 2007 sei für die heimische Landwirtschaft ein "Ausnahmejahr" mit deutlich höheren Erzeugerpreisen gewesen, so der Experte. Die Agrarpreise werden mittelfristig zwar auch tendenziell höher liegen als im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2005, aber niedriger als 2007. Langfristig rechnet das Wifo damit, dass sich die Produktivitätsfortschritte in der Landwirtschaft weiter fortsetzen und die realen Preise für Agrargüter sinken.

Keine Entspannung

Auf der Kostenseite sei derzeit im Gegensatz dazu keine Entspannung absehbar. Energie dürfte dauerhaft teuer bleiben, was sich auf andere Kosten durchschlage. Bei Weizen und in der Schweinemast haben sich die Produktionskosten im Jahresvergleich um etwa 10 Prozent erhöht. "Die Ertragssituation wird also enger", sagte Sinabell und warnte die Bauern, sich nicht von höheren Erzeugerpreisen blenden zu lassen: "Vorsicht vor der Kostenfalle", so seine Botschaft.

Glück hätten Europas Bauern, dass sie ihre Rechnungen in Euro bezahlten. Denn in den USA hätten sich die Preise teilweise vervierfacht. Das treffe Europa nur in abgeschwächter Form, so Sinabell.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, schlägt das Wifo - neben dem Hedging über die Börse - vor, dass die heimischen Bauern verstärkt in die Qualitätsproduktion gehen und - etwa über Einkaufsgemeinschaften - versuchen, an der Kostenschraube zu drehen. Investitionen sollten ganz genau überlegt werden, so dass der Betrieb durch zu hohe Abschreibungen nicht wirtschaftlich gefährdet wird.

LK-Präsident Gerhard Wlodkowski hofft mit dieser Studie, in der Diskussion um die gestiegenen Lebensmittelpreise wieder "zur Sachlichkeit zurückkehren" zu können. Die Landwirtschaft werde oft als Inflationstreiber hingestellt, was mit der Studie klar widerlegt werde, betonte der LK-Chef. Wie alle anderen leiden auch die Bauern unter den hohen Energiekosten, die der eigentliche Preistreiber seien. Durch den hohen Ölpreis seien für die Landwirtschaft die Vorkosten massiv gestiegen. Zudem seien die Agrarpreise - trotz des Anstieges im Vorjahr - immer noch niedriger als vor 15 Jahren, gab Wlodkowski zu bedenken.

An den Handel richtete der Kammer-Präsident einmal mehr den Appell, seine Kostenkalkulation offen zu legen. Jeder in der Wertschöpfungskette sollte seinen Anteil auf den Tisch legen. Die Landwirtschaft habe bei den meisten Produkten einen Wertschöpfungsanteil von unter einem Drittel. Die Kalkulation des Handels sei dagegen nicht bekannt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Trotz der zuletzt gestiegenen Erzeugerpreise wird die Ertragssituation bei den Bauern immer enger.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.