RZB-Interesse an 3-Banken

1. Juli 2008, 14:29
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UniCredit-Chef Alessandro Profumo hat in der Vorwoche die Anteile an den Regionalbanken zur Disposition gestellt

Wien - Raiffeisen hat grundsätzliches Interesse an den 3-Banken (Oberbank, BTV, BKS). "Was man kaufen kann, das schauen wir uns an", erklärte Walter Rothensteiner, Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Manchmal allerdings sei es besser, die Finger von einer Kaufmöglichkeit zu lassen: "Unser bestes Investment war es, die PSK nicht zu kaufen", so der RZB-General.

Seines Wissens nach seien die drei Regionalbanken durch "sehr ordentliche Verträge" miteinander verbunden, die den Banken untereinander Einflussmöglichkeiten zusichern und feinliche Übernahmen verhindern sollen. Nachdem UniCredit-Chef Alessandro Profumo in der Vorwoche die Anteile an den Regionalbanken zur Disposition gestellt hatte, würden die drei Institute jetzt wahrscheinlich "versuchen, noch mehr eine Gruppe zu werden", vermutet Rothensteiner. Das sollte aber die RZB nicht daran hindern, "wie üblich zu fragen, was man kaufen kann". Das werde man sich dann anschauen.

"Grundsätzlich interessant

Grundsätzlich wäre ein Einstieg bei den 3-Banken wohl aber nur dann interessant, "wenn man die Aussicht hat, einmal die Mehrheit von 51 Prozent zu bekommen", sagte der RZB-Chef. Genau das würden die drei Regionalinstitute aber wohl "nicht mit großer Euphorie" verfolgen. Rothensteiners Einschätzung: "Auf den ersten Blick sag ich aber nicht, dass ich unruhig bin und schlaflose Nächte habe, dass ich das nicht bekomme".

Grundsätzlich sei für ihn auch der Verkauf weiterer Anteile der Regionalbanken über die Börse denkbar, sagte Rothensteiner. Denn möglicherweise gebe es "nicht Heerscharen von Interessenten" an den drei Banken. Die Oberbank, BKS und BTV notieren bereits an der Wiener Börse. Der Anteil der UniCredit/Bank Austria an den drei Instituten ist nach aktuellem Börsekurs rund 800 Mio. Euro schwer.

Keine dramatischen Effekte aus Finanzkrise

Die Raiffeisen Bankengruppe (RBG) blickt trotz der internationalen Finanzkrise nach eigenen Angaben auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2007 zurück. Das operative Betriebsergebnis stieg gegenüber dem Jahr 2006 um 24,3 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro - ohne Berücksichtigung von Verkäufen in der Ukraine und in Kasachstan im Jahr 2006. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg ohne Berücksichtigung der Einmaleffekte um 17,4 Prozent auf 2,16 Mrd. Euro. RZB-Generaldirektor und RBG-Sprecher Walter Rothensteiner sieht darin die Ausrichtung der Bankengruppe auf Kundennähe, Produkt- und Beratungsqualität bestätigt.

Die Finanzkrise habe "keine dramatischen Effekte" auf die Gruppe gehabt, sagte Rothensteiner . Es sei aber "möglich, dass Osteuropa wegen der Finanzkrise vielleicht ein oder zwei Prozent weniger wächst". Unter Verweis auf die börsenotierte Raiffeisen International (RI) wollte er sich nicht konkreter dazu äußern. Er mache sich jedenfalls "überhaupt keine Sorgen", solange die Bank in der Region circa jeden Tag eine neue Zweigstelle eröffne, so Rothensteiner. Er hofft, dass es im Osten noch "lange Schlangen vor den Banken" gibt mit Kunden, die Konten eröffnen wollen.

Die RBG habe ihre Stellung bei den Marktanteilen behauptet oder ausgebaut: Bei Spareinlagen stieg der Marktanteil auf 30,9 (2006: 30,1) Prozent, bei Krediten an inländische Nichtbanken auf 23,8 (23,2) Prozent. (APA)

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