Arbeitslosigkeit im Juni gesunken

1. Juli 2008, 18:51
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Laut EU-Berechnung beträgt die heimische Arbeitslosenquote derzeit 4,1 Prozent - Das Arbeitsmarktservice erwartet einen robusten Jobmarkt bis Jahresende

Auch im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen in Österreich gesunken. Laut EU-Berechnung beträgt die heimische Arbeitslosenquote derzeit 4,1 Prozent. Das Arbeitsmarktservice erwartet einen robusten Jobmarkt bis Jahresende.

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Wien - Martin Bartenstein war gespannt. Während der gesamten Pressekonferenz zu den Arbeitsmarktdaten schaute der Wirtschaftsminister abwechselnd auf die Uhr und auf seine Kabinettsmitarbeiter. Der Grund: Bartenstein wartete auf die EU-Zahlen zur Arbeitslosigkeit in Österreich, denn auf diese Basis stellte er stets sein "Versprechen", Vollbeschäftigung zu erreichen - seiner Definition nach "ein Dreier vor dem Komma". Eurostat lieferte um 11 Uhr: 4,1 Prozent. Der Minister dazu: "Wenn der Sommer gut läuft, halte ich Vollbeschäftigung in Österreich heuer noch für möglich."

Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen weiter gesunken, den 28. Monat in Folge: 172.658 Personen waren mit Stichtag 30. Juni 2008 als arbeitssuchend beim AMS gemeldet, um 10.986 Personen weniger als ein Jahr davor, ein Minus von sechs Prozent. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf einen Höchststand: 3,446 Mio. Personen, ein Plus von 2,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ging in allen demografischen Gruppen zurück, lediglich bei 50 plus wurde ein Anstieg von 2,3 Prozent verzeichnet. Der Minister verwies bei den Älteren allerdings auf einen Anstieg der Beschäftigung. Das Maßnahmenpaket für ältere Arbeitnehmer (Neuordnung von Kombilohn, Altersteilzeit), konzipiert von den Sozialpartnern, harrt ja noch der Umsetzung durch die Regierung. Da die Fortdauer derselben derzeit alles andere als gesichert ist, gibt es auch keinen Zieltermin, bis wann das Paket stehen soll.

Für AMS-Chef Johannes Kopf war das gesamte erste Halbjahr "ausgesprochen erfreulich", sagte er bei der Präsentation der Zahlen am Dienstag, Wirtschaftsforscher seien viel pessimistischer gewesen. Im Schnitt waren von 1. Jänner bis Ende Juni 214.300 Menschen arbeitslos, um 20.800 Personen - fast neun Prozent - weniger als im ersten Halbjahr 2007. Dank dieses "Polsters" glaubt Kopf, dass 2008 insgesamt noch eine positive Entwicklung darzustellen sein wird. Wie es 2009 weitergeht, sei offen - nicht zuletzt auch von der Schneelage im kommenden Winter.

Zuletzt sei ja "Skifahren am Berg und Bauen im Tal" möglich gewesen, was in der positiven Entwicklung am Bau (minus 15 Prozent bei den Arbeitslosen im Halbjahr) und im Fremdenverkehr (minus acht Prozent) zu sehen ist. Einen starken Rückgang verzeichneten auch die Elektro- und Metallberufe (minus zwölf Prozent), was auf die anhaltend gute Industriekonjunktur zurückzuführen ist. Für 2009 erwarten die Wirtschaftsforscher wie berichtet einen Rückgang des Wirtschaftswachstums auf 1,4 (Wifo-Prognose aus der Vorwoche) bzw. 1,9 Prozent (IHS-Prognose). Bartenstein dazu: "Es gibt keinen Grund für Euphorie, aber auch keinen für vorauseilenden Pessimismus."

Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund forderten in einer Reaktion auf die Veröffentlichung der Jobstatistik die Bundesregierung am Dienstag auf, das Paket für die älteren Arbeitnehmer endlich umzusetzen. Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.7.2008)

Wie viele der 11.000 EURO-Jobs nachhaltige Wirkung haben, ist offen. Die Beschäftigung war limitiert, aber Experten rechnen damit, dass viele (wieder) in den Arbeitsmarkt gefunden haben. Foto: EPA
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    Besonders gut hat sich der Arbeitsmarkt in Wien entwickelt, wo mit minus 9,3 Prozent der stärkste Rückgang verzeichnet wurde.

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