Motorräder sind...

1. Juli 2008, 17:00
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Christoph Slawik, Marketing-Manager von BMW Motorrad Österreich, plaudert mit dem glu über Fahrfehler, Fahrtrainings und Fahrräder

Es ist noch immer kein Strafzettel im Headquarter von BMW-Motorrad eingetroffen. Also entweder waren wir auf der einwöchigen BMW-Tour voll brav oder einfach ziemlich gefuchst. Ausgefuchst sind auch die Fragen, mit welchen der glu Christoph Slawik wenige Wochen nach der Tour konfrontiert:

foto: derstandard/grabner

glu: Sind Motorräder die Summe alles Bösen?
Slawik: Wer das meint oder behauptet, lügt sich in den Sack. Viele Leute müssen mobil sein. Da ist das Motorrad eine echte Alternative zum Auto, bei der ich das Nützliche mit dem Angenehmen sehr gut verbinden kann. Und ein paar, die aus der Reihe tanzen, gibt es immer. Auch am Fahrrad. Schau nur, wie lange z. B. Mountainbiker kämpfen mussten, um auf manchen Forststraßen geduldet zu werden.

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glu: Aber Motorräder haben einen sehr schlechten Ruf und sind umweltschädlich.
Slawik: Ja, ich kenne die Vorurteile. Motorräder sind laut, wir assoziieren damit Unfälle und Bad News. Dabei sind Motorradfahrer viel umweltbewusster, als man auf den ersten Blick meint. Nie würde ich mit einem Auto über eine Passstraße fahren. Ich mache das mit dem Motorrad, weil ich die Natur erleben will und das am Motorrad auch kann. Im Gegenzug fahre ich mit dem Motorrad nicht auf der Brennerautobahn. Oder denk nur an die ewigen Auto- und Lkw-Kolonnen. Im Auto ein Übel, beim Motorradfahren ist das Fahren in der Gruppe die Gemeinschaft, die viele suchen. Störend ist sicher die Geräuschkulisse von offenen Tuningauspuffen. Da kann man nur an die Vernunft eines jeden Einzelnen appellieren. Motorrad fahren selbst ist ein Spaß, ein Freizeitvergnügen und ist dabei Sprit sparender als Auto fahren. Abgesehen davon sind bereits die meisten neuen Motorräder mit einem geregelten Kat ausgestattet – bei BMW sogar jedes Modell ohne Ausnahme!

foto: derstandard/grabner

glu: Der Lärm der Motorräder ist aber auch ein Reiz für viele Fahrer.
Slawik: Ja, klar. Das verstehe ich auch. Der Sound eines hochdrehenden Motors ist einfach geil. Aber man muss halt auch überlegen, wo man Gas gibt. Hätten wir in Österreich mehr Rennstrecken, wäre die Situation bestimmt besser. Man würde sich mit Gleichgesinnten wesentlich gefahrloser treffen und messen können, der Kurvenspaß ist gleich ein ganz anderer und die Gefahr ist gleichzeitig geringer.

foto: derstandard/grabner


>>> Von Gefahren und typischen BMW-Fahrern

glu: Dazu käme der Trainingseffekt.
Slawik: Motorräder haben keine Knautschzone, keinen Gurt und keine Airbags – außer einer löblichen Ausnahme. Die Gefahr am Motorrad ist oft der Fahrer selbst, wenn er sein Können überschätzt oder die Gefahr des restlichen Verkehrs nicht erkennt. Verschiedene Fahrtrainings bringen einem Fahrer vom Basiswissen bis zur Perfektion des Motorradfahrens alles bei. Extrem gut investiertes Geld – immerhin in die eigene Sicherheit. Wir selbst richten Trainings auf Rennstrecken und Endurotrainings bzw. Ausfahrten mit Trainingscharakter aus. Das Training macht Spaß und man lernt, wie ein Motorrad worauf reagiert. Die technischen Helferlein wie ABS, Schlupfregelung oder Kombinationsbremse helfen eben nur bedingt. Nämlich dann, wenn ich auch weiß, wie man sie nutzt, was sie können und was sie bewirken. Wenn ich zu schnell in die Kurve fahre, hilft mir kein System.

foto: derstandard/grabner

glu: Wie beschreibst du den typischen BMW-Fahrer?
Slawik: (lacht) Jung, erfolgreich, dynamisch! Ernsthaft: Wir haben uns die Lorbeeren im Tourenbereich hart verdient. Diese Fahrer sind zum Grossteil Hedonisten. Sie haben den finanziellen Rückhalt, so ein Motorrad zu fahren, mögen gutes Essen, guten Wein und schätzen bei ihren Touren auch schon mal einen Wellnessbereich im Hotel. Auf der anderen Seite forcieren wir gerade unsere sportliche Seite mit dem HP2-Programm, der neuen 450er-Enduro und der S 1000 RR, dem Superbike, mit dem wir nächstes Jahr in der Superbike-WM starten werden. So ein Imagewechsel ist schwer, aber wir sind gut unterwegs, ohne in Stammbereichen zu verlieren.

foto: derstandard/grabner

glu: Was würdest du arbeiten, wenn du nicht bei BMW-Motorrad wärest?
Slawik: Ich glaub, ich wäre Weinhauer. Das braucht auch viel Einsatz und Hingabe, um dann echten Genuss ernten zu können. Auf jeden Fall muss ich mich mit meinen Produkten identifizieren können, was mir bei BMW Motorrädern sehr leicht fällt.

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glu: Welches ist dein Lieblingsmotorrad?
Slawik: Ein Motorrad? Die BMW F 800 S taugt mir sehr und sie wird derzeit unter ihrem Wert geschlagen. Ich selber kaufe mir gerade eine F 800 GS. Und wo ich sofort zuschlagen würde, wäre eine schöne Yamaha XT 500. Ich weiß noch, wie wir mit damals mit 33 PS, zu zweit mit Gepäck nach Korsika...

glu: Hart hält sich das Synonym Gummikuh für die BMW. Gilt das noch?
Slawik: Das gilt noch. Klar. Für die alten Motorräder. Seit der 1100er GS und dem Telelever ist das Kapitel sonst aber wirklich abgehakt.

(Text: Guido Gluschitsch Fotos: Wolf-Dieter Grabner, 30.06.2008)

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur von Motorradnet.at.

  • Christoph Slawik, Marketing-Manager von BMW Motorrad im entspannten Talk mit dem glu.
    foto: derstandard/grabner

    Christoph Slawik, Marketing-Manager von BMW Motorrad im entspannten Talk mit dem glu.

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