Abverkauf bei Siemens bald zu Ende

1. Juli 2008, 15:26
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Siemens Österreich verkauft Fertigungen in Wien, Linz und Siegendorf im Dreierpack - Hunderte sind Mitarbeiter betroffen

Wien – Während die Konzernzentrale in München mit ihren radikalen Personaleinsparungsplänen aufhorchen lässt (befürchtet wird der Abbau von mehr als 17.000 Arbeitsplätzen), plagt sich Siemens Österreich mit dem verordneten Konzernumbau. Der sieht die Reduktion auf die vier Kerngeschäftsbereiche Medizintechnik, Energie, Verkehrstechnik und Industriegeschäft vor und zieht im "Bauchladen Siemens Österreich" eine Art Sommerschlussverkauf nach sich.

Zur Disposition stehen das Mechanikwerk in der Leberstraße (ehemals SGP) in Wien-Simmering (108 Beschäftigte), die Schaltschrankfertigung in Linz (mit rund 170 Beschäftigten) und rund 50 Mitarbeiter des Simea-Elektronikwerks in Wien. Sie sollen im Idealfall gemeinsam mit dem Simea-Elektronikwerk in Siegendorf (210 Beschäftigte im Burgenland veräußert werden, kündigte Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer nach der Aufsichtsratssitzung. In Summe geht es um rund 620 Jobs.

Da in Siegendorf sämtliche Auflagen und Behaltefristen der Regional- und Standortförderung (im Ziel-I-Gebiet) bereits abgelaufen sind, könnte Siemens die Produktion von Steuerungseinheiten für Haushaltsgeräte relativ problemlos schließen. "Das ist aber nicht das Ziel" , betonte Ederer, die die Werke Wien, Linz und Siegendorf am liebsten im Dreierpack verkaufen würde.

Vorerst gesichert sind laut Ederer die Simea-Elektronikwerke Wien (590 Beschäftigte) und Sibiu. Letzteres ist das Schwesterwerk der Siegendorfer in Rumänien und hat deutlich bessere Kostenstrukturen. Ursprünglich waren Siegendorf und Sibiu Zwillinge, deren Produkte Siemens Österreich innerhalb des Konzerns mit einem Mischsatz verkaufte.

Als das Stammhaus nur mehr die originären Kostensätze zahlen wollte, wurde es eng für Siegendorf, der Umsatz schrumpfte von 28,4 auf 20,25 Mio. Euro, es rutschte in die roten Zahlen. Im September 2007 schoss Siemens Österreich 22 Millionen Euro ein und verschaffte dem Sorgenkind mit negativem Eigenkapital (17,26 Mio. Euro) und 2,97 Mio. Euro Verlust (EGT) Luft. Im Geschäftsjahr 2007 wies Simea im Burgenland bei 19,8 Mio. Euro Umsatz aber einen Verlust von 1,78 Millionen Euro aus.

Mit dem noch zwei Jahre laufenden Liefervertrag mit Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) hält Ederer ein Überleben für möglich. "Ausdrücklich erwünscht" ist ein Management-buy-out. Wie nachhaltig das Überleben des Simea-Elektronikwerks Wien gesichert ist, ist offen. Man beliefere die Sparten Automatisierung und Antriebstechnik im Konzern. Laut Jahresabschluss 2007 steigerte Simea-Wien ihren Jahresüberschuss von 6,5 auf 7,7 Mio. Euro.

Was der Sparkurs noch bringt, bleibt abzuwarten. Siemens will bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro einsparen, davon 42 Mio. im Osteuropa-Cluster. Insgesamt müssen die Verwaltungskosten um 20 Prozent reduziert werden und die Vertriebskosten (vor allem Backoffice) um zehn Prozent. Das wird vor allem die Siemens AG Österreich mit ihren rund 7000 Mitarbeitern betreffen. Werden sie binnen eines Quartals um mehr als fünf Prozent dezimiert, ist eine Meldung beim Arbeitsamt notwendig. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.7.2008)

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    Muss Abverkauf starten: Siemens-Chefin Brigitte Ederer.

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