Europa: Hoher Ölpreis und schlechte Vorgaben aus USA

1. Juli 2008, 16:01
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Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Das neue Rekordhoch beim Ölpreis bei USD 140/Barrel und die äußerst schlechten Vorgaben der amerikanischen Indizes wirkten sich in der abgelaufenen Handelswoche weiter negativ auf die europäischen Börsen aus. Und auch in Europa selbst wurden unheilvolle Nachrichten auf Einzeltitelbasis höher bewertet als die an sich guten Konjunkturdaten wie z.B. eine Steigerung des Auftragseinganges im erzeugenden Gewerbe um über 11% im Vergleich zum Vorjahr.

Der Großteil der Unternehmen schloss auch in der abgelaufenen Handelswoche wieder leichter. Einige Aktien stürzten allerdings deutlich ab. Dazu gehörten neben Aktien aus verschiedensten Sektoren auch wiederum Banken. Dabei zog die Ankündigung einer Kapitalerhöhung bei Fortis (zwischenzeitlich bis zu minus 20% im Wochenvergleich) auch gleich andere Finanztitel mit nach unten - so mussten Hypo Real Estate sowie Deutsche Börse (beide minus 10,5%) und Allied Irish Bank (minus 8,7%) deutliche Abschläge hinnehmen. Zwar ist bei der Ausgabe von neuen Aktien durchaus mit einem Verwässerungseffekt zu rechnen, dass die Valoren von Fortis derart abstürzten, war dann jedoch überraschend. Der Grund dafür war in erster Linie die Befürchtung, dass auch bei dieser Kapitalerhöhung Hedge Funds wieder im großen Stile Leerverkäufe tätigen werden, da das Investoreninteresse, bei Bankaktien einzusteigen, derzeit gering ist. Eine ähnliche Vorgangsweise der Hedge Funds bei gleichzeitigen Kursverlusten konnte auch schon bei den Kapitalerhöhungen der UBS, Royal Bank of Scotland und bei der HBOS beobachtet werden.

Negativmeldungen und Kursstürze mit eventuellem Wirtschaftskrimi

Zu einem Wirtschaftskrimi könnte die Entwicklung bei Wirecard werden, wo das Unternehmen gegen Vorwürfe über Bilanzfälschungen kämpft und diese dementiert. Die Anteilsscheine des Spezialisten für Zahlungssysteme brachen zwischenzeitlich dennoch um bis zu 40% ein. Wirecard plant eine Anzeige bei der BaFin und sieht sich möglicherweise als Spielball von Hedge Funds, die die Gerüchte aufgebracht haben könnten. Nachdem die französische Einzelhandelskette Carrefour die Erwartungen beim operativen Gewinn gesenkt hat, gab es auch bei dieser Aktie kein Halten mehr (minus 15%). Die überzogene Reaktion der Investoren ist insofern überraschend, da es sich nicht um eine Gewinnwarnung, sondern nur um eine prognostizierte Abschwächung des Gewinnwachstums handelt. Die begebene Wandelschuldverschreibung bei Arcandor stößt auf wenig Gegenliebe bei den Aktionären. Zum einen wird man das erhoffte Emissionsvolumen von EUR 300 Mio. voraussichtlich verfehlen und zum anderen kauft man sich Fremdkapital mit einem zu zahlenden Kupon von bis zu 8,875 relativ teuer ein. Auch Arcandor-Papiere verloren über 15%.

Auch in der nächsten Handelswoche erwarten wir durch das eingetrübte Sentiment an den europäischen Börsen einen schwachen Verlauf. Trotz einiger spannender Konjunkturdaten in der Eurozone, wie Arbeitslosenrate, Einzelhandelsumsätze und Einkaufsmanagerindex, rechnen wir mit keinen positiven Impulsen für die Märkte in Europa. Der hohe Ölpreis und die Ankündigung von EZB-Präsidenten Trichet über eine mögliche Zinsanhebung lassen keine größere Erholung an den Börsen erwarten.

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