Beck will sich noch nicht verdrängen lassen

11. Juli 2008, 17:24
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K-Frage wird im Herbst geklärt – SPD-Chef fühlt sich von Medien missverstanden

Deutschland rätselt wieder einmal über Kurt Beck. Seit Tagen ist der SPD-Vorsitzende in den Medien; allerdings mit recht widersprüchlichen Aussagen zu seiner eigenen Zukunft. Derzeit scheint Beck vor allem ein Ziel zu haben: Zumindest bis zum Herbst will sich der SPD-Chef die Illusion erhalten, dass auch er selbst bei der Bundestagswahl 2009 Kanzlerkandidat der SPD sein könnte.

Die SPD werde diese K-Frage nach der bayerischen Landtagswahl Ende September klären, erklärte Beck am Donnerstag im RTL-Sommerinterview. Auf die Frage, ob er auch SPD-Vorsitzender bleiben könne, ohne Kanzlerkandidat zu sein, meinte er: „Ja sicher, das hat es schon oft gegeben.“ Es gebe „keinen Automatismus“, dass der Vorsitzende auch der Kandidat sein müsse. Entschieden sei aber noch nichts. Ob die Wahl zwischen ihm selbst und Außenminister/Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier fallen werde, wurde Beck auch gefragt. Seine Antwort: „In der Realität läuft es darauf hinaus.“

Die SPD-interne Debatte über seinen Führungsstil hält Beck für ausgestanden, jetzt will er „kämpferisch nach vorne blicken“. Viele in der SPD dürfte diese Ansage verwirrt haben. Denn noch vor zwei Tagen, in der Fraktionssitzung der SPD, hatte Beck mit einer anderen Mitteilung aufhorchen lassen. Die Diskussionen um seine Führungsqualitäten und um die miesen Umfragewerte quittierte er mit der Bemerkung: „Wenn ich Teil des Problems sein sollte, dann klebe ich an keinem Stuhl.“

Viele politische Beobachter hatten dies als ersten Schritt zum Rückzug von der Parteispitze gedeutet. Doch wenig später erklärte Beck: „Die Agenturen irren. In dem Fall bin ich einfach nicht richtig wiedergegeben worden.“ Und Fraktionschef Peter Struck ergänzte gewohnt barsch: „Dummes Zeugs.“ Er meinte damit aber die Journalisten und nicht Beck. Überhaupt, die Hauptstadt-Journaille. Diese trägt laut Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) Mitschuld am schlechten Image der SPD. „Rudeljournalismus“, unter Anführung parteiischer Medien, die keine Sympathie mit der SPD haben, sieht Thierse überall. Selbst Links-Chef Oskar Lafontaine hat Mitleid mit Beck. Nicht der sei für die Krise der SPD verantwortlich, sondern die neoliberale Politik seiner Vorgänger Franz Müntefering und Gerhard Schröder. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2008)

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