Deutsche Milchbauern drohen mit neuen Protesten

1. Juli 2008, 14:38
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Die großen deutschen Handelskonzerne haben die Preiserhöhungen bei Milch und Butter zum Ärger der Bauern nach kurzer Zeit wieder teilweise zurückgenommen

Die großen deutschen Handelskonzerne haben die Preiserhöhungen bei Milch und Butter zum Ärger der Bauern nach kurzer Zeit bereits wieder teilweise zurückgenommen.

Deutschlands zweitgrößter Handelskonzern Rewe will die Verkaufspreise für Milch zum kommenden Montag um 3 Cent je Liter wieder senken. Auch der Diskonter Lidl reduzierte die Preise für Milch in seinen 3.000 Filialen in Deutschland entsprechend. Dies bestätigte ein Sprecher der Lidl-Zentrale in Neckarsulm am Mittwoch. Die Erhöhung von 20 Cent pro Päckchen Butter strich der Discounter ganz. Zuvor hatten weder Aldi Süd noch Aldi Nord höhere Butterpreise angekündigt. Damit sind die drei führenden deutschen Diskonter Aldi (in Österreich unter Hofer auf dem Markt), Lidl und Plus bei Milch wieder auf einem Preisniveau.

Rewe rudert bei Butter zurück

Auch Rewe ruderte bei der Butter zurück. "Bei Butter haben wir die Preiserhöhung rückgängig gemacht", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Rewe hatte erst vor zwei Tagen Preiserhöhungen bei Milch um 10 Cent je Liter und bei Butter um 20 Cent je Stück für seine Filialmärkte angekündigt.

Lidl hatte als erstes großes Handelsunternehmen während des mehrtägigen Lieferboykotts der Milchbauern eine Preiserhöhung um 10 Cent pro Liter Milch zugesagt. Dies war der Auslöser für die Beendigung des Boykotts. Wie der Konkurrent Aldi verlangt Lidl seit Mittwoch aber nur noch 7 Pfennig mehr pro Liter Milch.

Nach Experteneinschätzung hat Aldi bei der Milchpreisrunde seine mächtigsten Konkurrenten vorgeführt. "Aldi hat damit wieder gezeigt, dass sie sich von der Konkurrenz nicht die Butter vom Brot nehmen lassen", sagte der Diskonthandels-Analyst Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail der dpa. Lidl sei mit einer Anhebung der Verkaufspreise vorgeprescht. Dem sei mit der Rewe zwar auch der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler zunächst gefolgt. Aber als Aldi geringere Preiserhöhungen bekanntgab, habe es nur Stunden gedauert, bis mit Edeka ein erster Handelsriese sein Einschwenken auf die neuen Preise von Aldi angekündigt habe.

Signal an Molereien und Landwirte

Das Vorgehen von Aldi bewertete der Handelsexperte auch als ein Signal an die Molkereien und Landwirte. "Dass nur der Preis bei Milch und nicht auch der Preis bei Butter erhöht wurde, ist ein klares Signal, dass die ungewöhnlich durchgesetzten Forderungen irgendwo ihre Grenze haben." Aldi hat nach Einschätzung von Queck "gewisse Zugeständnisse" an die Milchbauern gemacht, ohne völlig auf deren Linie einzuschwenken. Der führende Diskonter hatte die Preise für Milch um 7 Cent je Liter angehoben, zahlt aber nach eigenen Angaben 10 Cent je Liter mehr an Molkereien. "Die Tatsache, dass Aldi selbst einen Teil der höheren Milch-Einkaufspreise schultert, könnte man als Entschuldigung gegenüber den Kunden für die Preiserhöhung ansehen." Dank effizienter Strukturen könne sich Aldi den Preisspagat leisten.

Nach Angaben des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ist derzeit noch nicht absehbar, wie viel von den Preiserhöhungen des Lebensmitteleinzelhandels bei den Bauern tatsächlich ankommen. "Wir liefern einen Monat lang und bekommen das Geld dafür erst Mitte des Folgemonats", sagte BDM-Sprecher Thorsten Sehm der dpa. Als Ausweg aus der schwierigen Lage am Milchmarkt fordert der Verband eine flexible Steuerung der Milchmenge. "Abhängig von der Nachfrage am Milchmarkt können wir etwa durch Kraftfutterzugabe die Produktion steuern", erläuterte Sehm. Außerdem sollten sich Milchbauern und Molkereien künftig alle zwei Monate zusammensetzen, um zum Beispiel die aktuelle Nachfrage zu klären. Das gebe es derzeit nicht.

Unterstützung aus Brüssel

Der Milchindustrie-Verband (MIV) forderte Unterstützung aus Brüssel. "Man hat nur zwei Möglichkeiten: Weniger produzieren und die Absatzseite beleben. Da letzteres wegen des niedrigen Milchpreises auf dem Weltmarkt und des ungünstigen Euro-Dollar-Kurses aber derzeit nicht geht, sollte Brüssel aushelfen."

Die Milchbauern hatten zehn Tage lang die Molkereien und den Handel bestreikt, um einen nach ihren Angaben kostendeckenden Erzeugerpreis von mindestens 40 Cent pro Liter Milch durchzusetzen. Sie sind mit der jüngsten Entwicklung um den Milchpreis unzufrieden. Bereits am Dienstag schlossen sie neue Protestaktionen nicht aus. (APA)

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