Guerilla-Aktion in Öffis zu "Heute": "Wir übernehmen keine Gewähr"

12. Juni 2008, 12:17
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Eva Dichand erstattet Anzeige: "Strafrechtlich relevant und schwere Diffamierung" - Videobänder sollen Urheber aufdecken

Am Mittwoch Morgen staunten die Wiener U-BahnfahrerInnen nicht schlecht. Auf den Sitzen fanden sich schwarze Zettel mit "Heute"-Logo und folgendem Text: "Liebe LeserInnen! Wir übernehmen keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkei oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Ihre Heute-Redaktion". Und weiter im Kleingedruckten: "Diese Nutzungsbedingungen finden Sie unter: www.heute.at/impressum".

"Wir erstatten Anzeige", so "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand im Gespräch mit etat.at, diese Aktion sei "mit Sicherheit strafrechtlich relevant", es handle sich um eine schwere Diffamierung und sei gegenüber "Heute"-MitarbeiterInnen nicht fair, die "natürlich voll und ganz" hinter dem Blatt stehen. Man will sich Videoaufzeichnungen der Wiener Linien ansehen und hofft, so die Urheber dieser Aktion ausfindig zu machen.

Der Satz "Die AHVV Verlags GmbH übernimmt keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen." ist im "Heute"-Impressum (heute.at/impressum) zu finden. Dieses Impressum beziehe sich aber auf die Online-Ausgabe, so Dichand, dort würden auch Fremd-Inhalte erscheinen, daher diese Formulierung.

Rechtsanwalt Rami: "Verbreitung der Flugblätter rechtswidrig"

Rechtsanwalt Michael Rami, er vertritt die AHVV Verlags GmbH, Medieninhaberin von "Heute", zur Causa: "Die Verbreitung der Flugblätter ist jedenfalls rechtswidrig, da damit vorgetäuscht wird, sie würden von 'Heute' stammen. Mit einer solchen Aktion wird gegen ortspolizeiliche Verordnungen verstoßen, die die Verteilung von Flugblättern regeln. Darüber hinaus werde ich prüfen, ob nicht der Tatbestand der Täuschung (§ 108 des Strafgesetzbuches) erfüllt ist." An der Anzeige werde gerade gearbeitet und "demnächst" eingebracht.

"Natürlich werden keine Aufzeichnungen an Private oder Unternehmen weitergegeben", so Michael Zentner, Pressesprecher bei den Wiener Linien auf etat.at-Anfrage. Aufzeichnungen könnten nur von der Polizei - nach einer Anzeige - angefordert werden, dies müsse innerhalb von 48 Stunden schriftlich erfolgen, nach 48 Stunden werden allen Aufzeichnungen gelöscht. (red)

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    foto: derstandard.at/handlbauer
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