Verhinderte Rektorinnen: "Hier ist kein Platz für Frauen"

3. Juni 2008, 15:10
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Die Vizerektorin der Donau-Uni Krems tritt zurück - ÖH, AKNÖ und SPÖ kritisieren die Vorgehensweise der Uni und fordern Wissenschaftsminister Hahn zum Eingreifen auf

Wien/Krems - Ingela Bruner wird auf absehbare Zeit die einzige Rektorin einer staatlichen Universität - der Uni für Bodenkultur - bleiben. Denn zwei andere Frauen wurden erfolgreich als Rektorinnen verhindert.

Weiterbildungsprofessorin Ada Pellert hat am Montag - gemeinsam mit Amtskollegin Hannah Risku - ihren Rücktritt als Vizerektorin der Donau-Universität Krems (DUK) mit 1. Juli mitgeteilt. Sie zog damit die Konsequenzen aus einer zehnmonatigen Krise in Krems, an deren Anfang sie bei der Rektorswahl übergangen wurde, was eine Beschwerde des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen und einen aufsichtsbehördlichen Stopp des Verfahrens durch den Wissenschaftsminister zur Folge hatte. An deren Ende sollte der Rücktritt von Rektor Heinrich Kern per 1. Juni und Pellerts Bewerbung für das neuausgeschriebene Rektorat stehen. Kern sollte die Medizin-Privat-Uni Krems gründen. Das sah eine einstimmige Vereinbarung des Universitätsrats vom 1. April vor - aber Rektor Kern war am 2. Juni noch immer im Amt.

Am Freitag hatte er per Rundmail an alle DUK-Mitarbeiter, darunter auch Pellert, "auf Ersuchen des Universitätsrates" mitgeteilt, dass "die Umsetzung der am 1. April 2008 getroffenen Vereinbarungen aufgrund rechtlicher Probleme bis zu einer Entscheidung der Träger aufgeschoben wird". Bis dahin werde der Unirat keine Beschlüsse fassen, das bedeute, "dass die Leitungsstruktur wie bisher weiterbestehen bleibt" - mit Kern als Rektor. Alles beim Alten also.

"Für mich war damit klar: Das war's", sagte Pellert im Gespräch mit dem Standard: "Dieses ewige Nichteinhalten von Vereinbarungen und Deadlines ist absurd, einmal soll das Rektorat im ersten Quartal 2008 ausgeschrieben werden, dann bis 1. April, dann bis 1. Juni, dann werden ,rechtliche Probleme' konstruiert, und Faktum ist, Kern tritt nicht zurück wie vereinbart."

Eine Klage ist fix

Also geht Pellert - und hat damit weder den Posten als Rektorin noch die Chance auf Schadenersatz wie die zweite verhinderte Rektorin, die Londonder Kuratorin Clémentine Deliss. Sie hält - der Standard berichtete - seit ein paar Tagen ein Gutachten der Bundes-Gleichbehandlungskommission in der Hand, das bestätigt, dass sie bei der Rektorswahl an der Akademie der bildenden Künste diskriminiert wurde. Am Montag sagte sie dem Standard, dass sie "natürlich alle rechtlichen Schritte gehen und klagen wird".

Pellert kann diesen Schritt nicht mehr gehen, denn sie zog ihre Beschwerde bei der Gleichbehandlungskommission zurück und "stieg vom Rechtsweg auf den Verhandlungsweg um". Rückblickend ein Fehler, "weil sich nicht alle an die Vereinbarung gehalten haben, und das hätte ich nie für möglich gehalten", so Pellert.

Auch Kollegin Risku nicht. Sie sagte zu ihrem Abgang lapidar: "Hier ist kein Platz für Frauen. Hier gibt es keine Möglichkeit, sinnvolle Chancen zu nutzen." In den fünf Monaten ihrer Amtszeit habe sie erlebt, "dass etwas möglich ist, was wir nicht für möglich halten. Öffentliche und veröffentlichte Vereinbarungen" würden regelmäßig nicht eingehalten. Bei den bestehenden Machtstrukturen gebe es an der DUK keinen Platz für neue Situationen und neue Personen.

Das sieht DUK-Rektor Kern anders. Im Standard-Gespräch zitiert er den griechischen Redner Demosthenes: "Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben will, hält er auch für wahr. Und das dürfte bei den beiden Damen der Fall sein." Seit 1. April seien "ein paar Dinge passiert, die zur Folge haben, dass die Vereinbarung, die ich mit Vorbehalt unterschrieben habe, nicht ohne weiteres umsetzbar ist. Man wird schlechterdings von mir erwarten, dass ich gehe und im Regen stehe. Ich warte jetzt eine Lösung der Träger ab", so Kern.

Kein zweiter "Fall Deliss"

Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) "geht von den geltenden Vereinbarungen aus", sieht aber keine Handhabe für ein Einschreiten in Krems. Allerdings ist das Ministerium mit gleich vier Aufsichtsbeschwerden aus der DUK beschäftigt, die etwa die Bestellung von Professoren betreffen.

Einen "zweiten Fall Deliss" soll es dafür laut SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal nicht geben, denn er habe mit Hahn für die Unigesetz-Reform vereinbart, "dass in Zukunft Einsprüche der Gleichbehandlungskommission zur Unterbrechung aller Verfahren führen".

AK NÖ: "Widerspricht dem Grundsatz der Gleichbehandlung"

Auch der Direktor der NÖ Arbeiterkammer, Helmut Guth, spart nicht mit Kritik: "Die Vorgangsweise verunsichert nicht nur Beschäftigte und Studierende, sondern schadet auch dem Image der Uni." Es liege der Verdacht nahe, dass es sich hierbei "um einen schlecht kaschierten Versuch handelt, eine liebgewonnene Männerdomäne abzusichern", meint Guth. Und das widerspreche ganz klar dem Grundsatz der Gleichbehandlung.

ÖH: "Uni frauenfeindlicher Arbeitsplatz"

Das Bild der österreichischen Universitäten als frauenfeindlicher Arbeitsplatz setze sich durch die jüngsten Vorkommnisse an der Donau-Uni Krems fort, sagt auch die ÖH in einer Aussendung. Schon die ursprüngliche Bestellung des amtierenden Rektors an der Donau-Uni Krems, Heinrich Kern, ist unter dem Protest des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen zustande gekommen", sagt das Vorsitzteam der ÖH und erklärt weiter, "wir fordern daher Wissenschaftsminister Hahn auf, diesen Zuständen ein Ende zu setzen."

"Unwürdiges Schauspiel"

Als "unwürdiges Schauspiel, bei dem diskriminierende Intentionen im Vordergrund stehen", bezeichnet SPÖ-Landesrätin Gabriele Heinisch-Hosek die Vorgänge an der Donau-Universität Krems in einer Aussendung. Sie erwarte sich ein sofortiges Eingreifen von Wissenschaftsministers Johannes Hahn und der zuständigen NÖ-Landesrätin Petra Bohuslav. Der Standort Donau-Universität habe bereits genug Schaden genommen, ebenso ist wohl für die weiblichen Führungskräfte an der Universität jedwede Toleranzschwelle überschritten, sagt Heinisch-Hosek.

Kern pocht auf adäquate Position

In dem der APA vorliegenden Arbeitsvertrag Kerns mit der DUK scheint das Vertragsende klar geregelt: Es endet vorzeitig, "sofern der Rektor eine adäquate Position (etwa Geschäftsführung) mit unveränderter Vertragslaufzeit (bis 31. August 2011) angetreten hat", wobei als Beispiel explizit "die Geschäftsführung einer aus der Donau-Universität auszugliedernden GesmbH" genannt wird. Doch Kern sieht für sich noch keine adäquate Position geschaffen. (red, Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 3. Juni 2008)

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