Rundschau: Tentakel­träume

    14. Juli 2008, 14:39
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    "Chronos", "Dhampir", "Sternenstürme", "Das Cusanus-Spiel", "Stadt der Untoten", Moebius-Visionen und Zyklen-Starts von Robin Hobb, Dirk van den Boom und Kathleen Bryan

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    coverfoto: cross cult

    Moebius: "Arzach" und "Die hermetische Garage"

    Gebundene Ausgaben, 64 Seiten und € 16,50 bzw. 128 Seiten und € 20,40, Cross Cult 2008.

    Ausnahmsweise auch zwei Comics in der Rundschau, nicht weil sie - im Gegensatz zu den meisten hier vorgestellten Romanen - in gebundener Ausgabe erschienen sind, sondern weil es sich um zwei historische Höhepunkte des Comics- wie auch des Phantastik-Genres handelt, neu herausgegeben bei Cross Cult.

    Jean Giraud alias Moebius hat mit Leutnant Blueberry und dem SF-Antihelden John Difool zwei Serien-Protagonisten mit riesigem Fankreis geschaffen. Auch "Arzach" und "Le Garage hermétique" wurden ursprünglich seriell - nämlich im Avantgarde-Magazin "Métal Hurlant" - veröffentlicht, von Graphic Novels wie bei "Blueberry" und "John Difool" lässt sich wegen der Erzählstruktur aber nur mit Einschränkungen sprechen.

    "Arzach", 1974 bis '76 entstanden und hier um die ältere Kurzgeschichte "Die Umleitung" ergänzt, ist ein in Episoden, Fragmente und Tableaus aufgelöster surrealer Trip ohne Worte: Der Titelheld, letzter der Pterokrieger, gleitet auf seinem Flugtier über phantasmagorische Landschaften und begibt sich in archetypische Situationen wie Rivalenkämpfe oder den Wettstreit zwischen Kraft und Intelligenz. In den Massenszenen tauchen gleichfalls einige "Moebius-Archetype" auf, darunter auch der Tropenhelm-bewehrte Major Grubert aus der "Hermetischen Garage".

    Die in den Jahren nach "Arzach" entstandene "Garage" entwirft eine nicht minder traumartige - wenn auch wesentlich geschwätzigere - Welt: Entstanden als Schöpfung des unsterblichen Majors und in mehrere Ebenen unterteilt, in denen sich Elemente aus Science Fiction, Fantasy, Western und Steampunk mischen, wird sie zum Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen dem Major, seinem ewigen Rivalen Jerry Cornelius und als dritter Partei einigen nach Autonomie gierenden Bewohnern der Fantasiewelt selbst, den Bakaliten. Keine Inhaltsbeschreibung könnte der verschachtelten, von Ironie und Zitaten wimmelnden Handlung auch nur annähernd gerecht werden, aber darum geht es auch gar nicht. Die "Garage" ist ein einziges großes Spiel mit dem Verwischen von Grenzen und Realitäten - und gemeinsam mit "Arzach" zu den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts zu zählen. Um nichts weniger.

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