Sanierungsverpflichtung gefordert

29. Mai 2008, 15:22
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Christoph Chorherr fordert Änderung der Bauordnung für Wien - Hauseigentümer sollen verpflichtet werden Häuser ausreichend zu dämmen

Wien - Die Wiener Grünen fordern eine Novellierung der Bauordnung: Eigentümer von schlecht gedämmten Wohnhäusern sollen künftig dazu verpflichtet werden können, eine wärmetechnische Sanierung vorzunehmen. Diese solle dann erfolgen, wenn Mieter ein entsprechendes Ansuchen stellen und der Heizwärmebedarf des Gebäudes bei über 80 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter liegt, sagte Gemeinderat Christoph Chorherr.

47 Prozent mit Erdgas beheizt "Insgesamt werden 47 Prozent der Wiener Haushalte mit Erdgas beheizt, der überwiegende Teil davon sind schlecht wärmegedämmte Häuser", kritisierte Chorherr. Dies treffe vor allem auf Gründerzeitvierteln etwa in Favoriten, Simmering oder Brigittenau zu, wodurch hauptsächlich sozial Schwache unter hohen Energiekosten leiden würden. Das Problem würde sich insofern verschärfen, als dass die Wiener Gaswerke eine Erhöhung des Erdgaspreises um bis zu 30 Prozent planten, prognostizierte der Grüne Mandatar. Schließlich seien die Gaspreise eng an die Rohölpreise gekoppelt.

Über 80 kWh pro Quadratmeter

Die Grünen schlagen deshalb eine Novellierung der Bauordnung vor: Damit sollen Mieter einen Antrag auf eine wärmetechnische Sanierung stellen können. Diese müsste dann vom Hauseigentümer durchgeführt werden, wenn sich der Heizwärmebedarf des Gebäudes auf über 80 kWh pro Quadratmeter beläuft. Ausnahmen soll es laut Chorherr dann geben, wenn eine Sanierung "technisch unzumutbar" ist, wobei die Beweislast beim Eigentümer liegt.

Enorme Heizkosten-Einsparungen

Momentan verbrauche ein Haushalt durchschnittlich 128 kwH pro Jahr und Quadratmeter, so Chorherr. Bei einer Wohnfläche von 80 Quadratmetern könnten nach einer entsprechenden Sanierung rund 437 Euro jährlich eingespart werden, bei besonders schlecht gedämmten Bauten bis zu 841 Euro. Berücksichtige man die zu erwartenden Gaspreisanstiege, ergebe sich bei durchschnittlichen Haushalten ein Einsparungspotenzial von über 500 Euro. Bei schlechter Wärmedämmung seien sogar 1.094 Euro einzusparen, rechnete Chorherr vor.

"Die Landeshauptleute sollen schleunigst ein Konzept vorlegen", appellierte der Grün-Politiker. Das Konzept könne nämlich auf ganz Österreich ausgeweitet werden, da auch in anderen Bundesländern viel mit Gas geheizt werde.

Preisniveau kann nicht ewig halten

Der SP-Gemeinderat Franz Ekkamp erklärte es sei in Wien durch eine Reihe von städtischen Förderinitiativen in den letzten Jahren gelungen, den Energieaufwand für Zehntausende Wohnungen und Privathäuser deutlich zu senken. Beste Beispiele für Energiemaßnahmen sind laut Ekkamp etwa Niedrigenergie- bzw. Passivenergiebauten. Der SP-Politiker wies darauf hin, dass viele der energiepolitischen Vorschläge der Grünen bereits seit langem umgesetzt werden.

Franz Ekkamp erklärte, dass im heurigen Jahr ist laut Wiener Stadtregierung keine Erhöhung des Gaspreises vorgesehen ist. Klar sei allerdings auch, dass das momentane Preisniveau wegen Erhöhungen im Erdöl-Bereich nicht ewig gehalten werden können. Die Grünen hatten zuvor über anstehende Gaspreiserhöhungen von bis zu 30 Prozent spekuliert. (APA)

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