MA 42 will TÜWI-Open-Air Festival verhindern

28. Mai 2008, 11:26
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Veranstaltung im Türkenschanzpark nicht von MA 42 genehmigt - Politische Kundgebung auch verwehrt

Wien - Kein Open-Air-Festival am 28. Mai im Türkenschanzpark. Danach sieht es derzeit aus, bestätigten Mitglieder des Vereins TÜWI (Forum für Integration, Kommunikation und Interaktion an der Universität für Bodenkultur) am Montag bei einer Pressekonferenz. Sowohl die MA 42 - zuständig für die Wiener Stadtgärten - als auch die Bundespolizei wollen das jährliche Fest der TÜWI im Türkenschanzpark nicht bewilligen. Beide führen fadenscheinige Argumente an, so der Verein TÜWI. Brisantes Detail am Rande: dem TÜWI-Hofladen wurde in diesem Jahr der "Sustainability Award" für Nachhaltigkeit vom Wissenschafts- und Umweltministerium verliehen.

Keine Probleme in den letzten Jahren

Die Mitglieder des Vereins TÜWI können sich selbst nicht erklären, woher der plötzliche Stimmungsumschwung der MA 42 kommt. Bis 2006 gab es keine Probleme ihr jährliches Open-Air-Festival im Türkenschanzpark auszurichten. Martin Just, Obmann der IG Kultur Wien, erzählt, dass die Kooperation mit der MA 42 sehr gut funktioniert hat: "Die MA 42 hat sogar bei der Müllentsorgung mitgeholfen." Beschwerden gab es keine. Im letzten Jahr beschloss man das Fest auf die Straße zu verlegen, um den Müll im Park zu verringern. Doch das genaue Gegenteil war der Fall: die Besucher nutzten den Park genauso wie vorher - im Endeffekt hatte man genauso viel Müll und das gleiche Problem wie vorher. Daher entschloss man sich das Fest heuer wieder in den Türkenschanzpark zu verlegen.

"Im März haben wir bei der MA 42 um Bewilligung angesucht", sagt Michael Kovar vom Verein TÜWI, "danach haben wir lange nichts gehört." Schließlich habe dann die Bezirks-Verwaltung Währing angerufen und gemeint, dass das Fest nicht bewilligt wird. Anfang Mai gab es doch kurzfristig ein OK, allerdings gegen eine Kaution in unklarer Höhe. Der Verein TÜWI wartete auf den Vertrag, der nicht zugeschickt wurde. Letztendlich erfuhr man dann über die Sekretärin eines Zuständigen der Stadt Wien, dass das Fest nicht stattfinden werde. Franz Joachim Chen von der MA 42 erklärt, warum es dazu kam: "Dieser Park steht unter Gartendenkmalschutz, man kann ihn nicht mit einer Wiese auf der Donauinsel vergleichen. Der Park hat letztes Jahr nach dem Fest unmöglich ausgesehen. Es gab eine Menge Beschädigungen und Verschmutzungen, die auch dokumentiert sind. Wir haben diese Entscheidung sicher nicht leichtfertig getroffen." Kover, vom Verein TÜWI, kritisiert die Vorgehensweise der MA 42: "Die rechtlichen Grundlagen für die Absage fehlen unserer Ansicht nach. Wir haben nie einen Bescheid der MA 42 ausgestellt bekommen, geschweige denn ein direktes Gespräch mit einem der Zuständigen gehabt. Die meiste Zeit wurden wir weiterverwiesen."

Kundgebung statt Veranstaltung

Der Verein TÜWI wollte nicht aufgeben und entschloss sich anstatt des Festes eine politische Kundgebung bei der Polizei anzumelden. Wieder ohne Erfolg. Ein Gespräch bei der Polizei ergab, dass diese Kundgebung das "öffentliche Wohl" gefährden würde. Die Polizei stützte sich in ihrer Argumentation auf Unterlagen, die ihr die MA 42 zugesandt hatte. Darunter waren Fotos, die den verschmutzten Park nach dem TÜWI-Fest im letzten Jahr zeigten. Allerdings vor der Reinigung, bei der auch die TÜWIs mitgeholfen haben.

Für die Mitarbeiter des TÜWI ist es unverständlich, warum ihnen das Recht auf Versammlungsfreiheit verwehrt wird und sie mit ihrer Veranstaltung das "öffentlichen Wohl" gefährden. Schließlich sind für Mittwoch, den 28. Mai, Bands eingeladen, Jonglier-, Seiltanz- und Sambaworkshops geplant. Für Kinder gibt es Hüpfburgen und Kasperltheater, für Interessierte Infostände von verschiedenen Organisationen. Sogar ein spanischer Künstler konnte engagiert werden - er bereitet einen Geduldsspielparcour vor. Einiges an Zeit und Geld wurde also von den ehrenamtlichen Mitarbeitern schon investiert. Mittlerweile sind Unterstützungserklärungen von anderen Organisationen eingelangt, denn noch hoffen alle, dass man am Mittwoch im Türkenschanzpark feiern kann. (Teresa Eder, derstandard.at)

  • In den Jahren 2004 bis 2006 war es kein Problem für den Verein TÜWI, den Türkenschanzpark zu nutzen.
    foto: tüwi

    In den Jahren 2004 bis 2006 war es kein Problem für den Verein TÜWI, den Türkenschanzpark zu nutzen.

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