Feige (Verkehrs-)Politik

9. Juli 2008, 19:43
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Wenn Transporte einmal kosten, was sie tatsächlich kosten, bedarf es keiner Fahrverbote mehr - Von Günther Strobl

Das waren noch Zeiten, als man in Österreich mit Autobahnen Wahlen gewinnen konnte. Vor fast vierzig Jahren hat ein gewisser Eduard Wallnöfer auch dank energischen Eintretens für den Bau der Inntalautobahn die Basis für eine Karriere an der Spitze des Landes gelegt, die 24 Jahre dauern sollte. Wer dies jetzt noch versuchen wollte in Tirol, würde mit nassen Fetzen aus dem Land gejagt. Lärm und Gestank haben viele Tiroler rebellisch gemacht.

Und was macht die Politik? Sie verbietet - weil das momentan populär ist beim Verkehr. Transporte von Ton, Steinen, Erde - weg damit. Transporte von Rundholz und Kork - weg damit. Demnächst könnte es heißen: Autofahren auf der Autobahn verboten. Höchst willkürlich mutet auch an, welche Güter auf die schwarze Liste gesetzt wurden. Rundholz ja, Bauholz nein. Da werden die Wettbewerbshüter in Brüssel sicher noch ein wachsames Auge drauf haben. Das weiß auch Landeshauptmann van Staa, der sich in zwei Wochen der Wiederwahl stellen muss. Weil die Verordnung von den Stellen in Brüssel frühestens im Herbst gekippt werden kann, haben die Fahrverbote den Beigeschmack eines rein wahltaktisch motivierten Manövers.

Dabei ist die Notwendigkeit mancher Transporte durchaus zu hinterfragen. Dass Aushubmaterial von Innsbruck nach Kufstein mit dem Lkw und nicht mit der Bahn transportiert wird, liegt auch an den Kosten. Solange sich der Transport mit dem Lkw rechnet, wird am Laster festgehalten. Wenn Transporte einmal kosten, was sie tatsächlich kosten, wird es keiner windigen Fahrverbote mehr bedürfen. Sich da drüberzutrauen, dazu ist die Politik wohl zu feig.(Günther Strobl/DER STANDARD, Printausgabe, 26.5.2008)

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